C | Geförderter Wohnungsbau in Bremen

Fein durchgearbeitet

Stefan Forster Architekten
14. März 2018
Blick aus der Konsul-Smidt-Straße von Norden

Stefan Forster Architekten gewinnen den Wettbewerb „C | Geförderter Wohnungsbau, Bremen“. Stefan Forster stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In der Bremer Überseestadt sollen zwei Neubauten mit insgesamt 156 Wohnungen als geförderter Wohnungsbau realisiert werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Die Überseestadt im Westen der Hansestadt Bremen ist ein ehemaliges Industriehafenareal mit einer Fläche von 300 Hektar. Es zählt aktuell zu den größten Stadtentwicklungsgebieten Europas. Bei der Umwandlung des Areals liegt der Schwerpunkt im Wohnungsbau. Insgesamt sollen bis 2023 knapp 23.000 Einwohner in einem gemischt genutzten Stadtteil leben. Unser Projekt befindet sich im östlichen Teil des Areals als Teil eines Baufelds zwischen der Konsul-Smidt-Straße auf der nördlichen und dem Weserkanal auf der südlichen Seite. Das Baufeld wird zur Straße hin durch unser Objekt begrenzt; es fungiert damit einerseits als Lärmschutz für die übrigens Gebäude – durch seine formale Geschlossenheit aber auch als ruhiger Hintergrund für die individuelleren Eigentumswohnungen, die von unterschiedlichen Architekturbüros zwischen unserem Neubau und dem Weserkanal entstehen werden.

Für die nördliche, parallel zur Straße verlaufende Gebäudeseite enthält der Bebauungsplan sehr strikte Vorgaben: Aufgrund der starken Lärmbelastung durch Verkehr und Gewerbe dürfen Aufenthaltsräume nicht nach Norden ausgerichtet sein; auch öffenbare Fenster waren nicht erlaubt. Demgegenüber bot die Südseite die Möglichkeit, die Wohnungen mit großen Fenstern und Freibereichen zum Wasser hin zu orientieren. Insgesamt sollte eine Geschossfläche von ca. 15.790 Quadratmetern (BGF) nachgewiesen werden. Der gesamte Entwurf ist aus diesen Vorgaben sowie dem exakt definierten Wohnungsschlüssel heraus entwickelt worden.

Lageplan

Wie gliedern Sie die beiden Neubauten?
Die Gliederung des Gebäudes ist zunächst das Ergebnis der strengen Lärmschutzauflagen auf der einen, und der präzisen Vorgaben hinsichtlich der Ausstattung und Größe der Wohnungen auf der anderen Seite. Wir sind von einem einzigen Riegel ausgegangen, der in zwei Gebäude mit je drei Häusern unterteilt wird. Die Trennung in der Mitte bildet den Eingang ins Quartier, der damit auch stadträumlich gefasst wird. Diese Grundfigur ermöglicht es, in den Zwischenbereichen großzügige Höfe im ersten Obergeschoss anzulegen und die (größeren) Wohnungen zusätzlich über die Giebelseiten zu belichten. Nach außen präsentiert sich das Gebäude mit einer stärker geschlossenen Fassade, die plastisch gegliedert wird und der Straße einen angenehmen Rhythmus verleiht. Kleine Cafés und Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss beleben die Straße als öffentlichen Raum und leisten einen Beitrag zur gewünschten Mischnutzung des neuen Stadtteils.

Grundriss Regelgeschoss
Grundriss Sockelgeschoss

Gibt es schon definierte Standards für die Wohnungen?
Da es sich durchweg um geförderte Wohnungen handelt, sind die Größen, Zuschnitte und die Ausstattung genau vorgegeben. Wir sehen unsere Aufgabe darin, diese Vorgaben in möglichst hohe räumliche Qualität umzusetzen.

Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Neben der optimalen Lösung der beschriebenen funktionalen Probleme, wollten wir insbesondere eine Architektur schaffen, die sich auf die Tradition Bremens als Stadt der Klinkerarchitektur bezieht. Mit dem warmtonigen Klinker und der reliefartig profilierten Fassade beziehen wir uns auf lokale Vorbilder. Daneben war der Bezug zum Wasser für uns ein wichtiges Thema, das wir mit der Öffnung der Gebäudestruktur auf der Wasserseite und den großzügigen Freibereichen aufgenommen haben. Letztlich wollten wir ein Gebäude schaffen, welches auf Detailebene fein durchgearbeitet ist und zugleich als Ganzes eine gewisse Ruhe ausstrahlt.

Blick aus der Konsul-Smidt-Straße von Süden

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Es stehen nun alle Architekten für das Quartier fest, sodass der Bebauungsplan aktuell noch angepasst werden muss. Die Baueingabe ist für November 2018 geplant. Der Baubeginn ist demnach im Frühjahr 2019. Wir rechnen mit der fertigstellung im Laufe des Jahres 2020.

C | Geförderter Wohnungsbau, Bremen
Einladungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Überseestadt Schuppen 3 Grundbesitz GmbH, Bremen
Betreuer: Kleine + Assoziierte Architekten BDA, Hannover

Jury
Prof. Zvonko Turkali, Vors. | Prof. Claus Anderhalten | Prof. Carsten Lorenzen | Prof. Dr. Iris Reuther | Prof. Manfred Schomers

1. Preis
Architekt: Stefan Forster Architekten, Frankfurt am Main

ein 3. Preis
Architekt: gruppeomp Architektengesellschaft mbH BDA, Bremen, Rastede, Hannover

ein 3. Preis
Architekt: Fink+Jocher, Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern, München
Landschaftsarchitekt: terra.nova Landschaftsarchitektur, München

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