iCampus Rhenania im Werksviertel in München

Eigenständiger Charakter

HENN
21. November 2018
Blick auf den iCampus Rhenania
Henn gewinnt den Wettbewerb um das iCampus Rhenania im Werksviertel in München. Fredrik Werner stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
In München sollte als Teil der Gesamtmaßnahme „iCampus“ ein architektonischer Entwurf für das Ensemble „iCampus Rhenania“ entwickelt werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Es gibt seitens des Bauherrn einen sehr detaillierten, gut durchdachten Masterplan, der sowohl die Gesamtmaßnahme des zu entwickelnden Areals, als auch jede einzelne Baumaßnahme beschreibt. Es ist ein ganzheitlich angelegtes Projekt, mit einer durchgängigen architektonischen Haltung. Der Masterplan bezieht sich auf die ehemalige industrielle Nutzung des Gebietes und interpretiert diese in Form moderner, cooler „Loftgebäude“ und attraktiver, divers gestalteter Außenräume. Das westlichste Baufeld entlang der Friedenstraße ist der letzter Baustein in der Entwicklung des iCampus. Die Herausforderung lag vor allem im relativ zerklüfteten Grundstückszuschnitt und dem daraus resultierenden Baurecht. Außerdem sollte das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude der Spedition Rhenania im Konzept integriert und Teil des neuen Areals werden.
Lageplan
Wie organisieren Sie den Büroneubau und das kernsanierte Bestandsgebäude mit Sonderfunktion?
​Der Entwurf sieht ein Ensemble vor, das aus zwei Neubauten und dem denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude Rhenania besteht. Die beiden Neubauten setzen sich in ihrer Wahrnehmung aus mehreren Baukörpern zusammen, die sich in ihrer Höhe und Grundrisskonfiguration bewusst differenzieren. Dieses Prinzip reduziert die gefühlte Baumasse und stellt einen starken Dialog zum Bestandsgebäude her. Durch die Abstufungen der einzelnen Baukörper entstehen eine Vielzahl an Dachterrassen mit attraktiven Ausblicken auf München und seine Umgebung. Die Neubauten sehen in den Obergeschossen reine Office-Nutzungen vor. Im Erdgeschoss werden nach Bedarf Flächen für Gastronomie vorgehalten. Es wurde zudem angedacht, eine Rooftop Bar auf einem der Blöcke anzubieten. Die beiden Untergeschosse werden vorwiegend als Tiefgarage genutzt, die an die geplanten Untergeschosse der Nachbarbebauung angebunden werden.
Axonometrie
Gab es definierte Vorgaben für die Büro-Standards?
Für die beiden Neubauten ist die oberste Prämisse, ein Höchstmaß an Flexibilität abzubilden. Es ist aktuell noch nicht klar ob sie als Single- oder Multi-Tenant Gebäude genutzt werden. Den Brandschutzvorgaben folgend gliedern sich die Gebäude in Nutzungseinheiten von 400 qm. Jede Nutzungseinheit ist zugleich kleinste Mieteinheit mit jeweils separatem Erschliessungskern. Bundtiefen von 13.50m -16.20 mit einem Ausbauraster von 1.35m ermöglichen jegliche Art der Bürotypologie. Grundsätzlich muss vom Open Space bis zur Einzelraumbelegung alles möglich sein.
 
Foyer
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Gemeinsam mit dem historischen Bestand ein Ensemble zu schaffen, das in Baukörpergrößen miteinander in Dialog tritt und sich gleichzeitig auf die ehemalige industrielle Nutzung des Ortes bezieht. Es soll ein „Village“ entstehen, das innerhalb des Werksviertels und als Teil des iCampus einen eigenständigen Charakter bekommt. Der modulare Aufbau der Neubauten findet seinen Ausdruck nicht nur in der „Lego“-artigen Struktur der Grundrisse, sondern vor allem in der klaren Gliederung der Fassade. Dunkle Rahmen, die sich auf klassische Industriegebäude beziehen prägen das Erscheinungsbild des Areals. Bewusst schlicht ausgebildet stehen sie im Kontrast zur historischen Villa.
Innenraum
Welche Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion und Material zeichnen Ihren Vorschlag aus? 
Grundsätzlich wird für die Konstruktion ein Stahlbetonskelettbau mit aussteifenden Kernen gewählt. Es wird auf Einfachheit und Modularität gesetzt. Die äußere Erscheinung ist geprägt durch die dunklen Metallrahmen in denen ebenfalls dunkle, kleinteilige Fensterelemente sitzen. Die Einfachheit und Reduktion von Formaten und Materialien und das gestalterische Zelebrieren des Moduls geben dem Entwurf seine Radikalität.
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Aktuell befindet sich das Projekt in der Entwurfsplanung. Die Fertigstellung ist für Ende 2021 angedacht.
iCampus Rhenania
iCampus Rhenania im Werksviertel in München
Einladungswettbewerb

Auslober/Bauherr: R&S Immobilienmanagement GmbH, München
Betreuer: [phase eins]., Berlin

Jury
Florian Hartmann | Prof. Kees Kaan | Lars Klatte | Prof. Dr. Ulrich Knaack | Prof. Dr. Elisabeth Merk | Mathias Pfeil

1. Preis
Architekt: HENN, München, Berlin, Beijing
Brandschutzplaner: nees Ingenieure GmbH, Münster, Hamburg

2. Preis
Architekten
Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, Dülmen-Rorup

3. Preis
Architekt: Henning Larsen Architects, Copenhagen, Oslo, München, Riyadh, Gøta
Innenarchitekt: landau + kindelbacher, München
Landschaftsarchitekt: ver.de Landschaftsarchitektur, Freising
TGA-Fachplaner: Climaplan GmbH, München

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