B-One

C.F. Møller Architects
18. November 2020
Blick von der Corneliusbrücke (Visualisierung: C.F. Møller Architects)

C.F. Møller Architects gewinnen den Wettbewerb um den Neubau der Firmenzentrale Berlin Hyp. Julian Weyer stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

In Berlin, am Landwehrkanal Ecke Lützowufer/Budapester Straße gelegen, will die deutsche Bank Berlin Hyp ihre neue Zentrale errichten. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Das Grundstück bildet von der Corneliusbrücke aus quasi ein Tor zwischen Tiergarten und City West – und gleichzeitig schließt es den Block und vollendet den Blockrand am Kreuzungspunkt des Landwehrkanals, der Corneliusbrücke und der beiden Straßen. 

Das bedeutete für uns, dass der Bau sowohl ein Landmark an dem Übergang zwischen den Stadtteilen sein sollte (so wie auch an den anderen Ecken des weiteren Quartiers bereits markante Eckbebauungen entstanden), sich aber auch an die umgebenden Baufluchten anpassen sollte.

Als direkter Nachbar der Bank steht eine historische dreigeschossige Villa an der Budapester Straße – hier war es eine besondere Aufgabe, den Neubau respektvoll zwischen den höchst unterschiedlichen Maßstäben vermitteln zu lassen. Daher treppt der Baukörper von der Spitze zum Landwehrkanal herab zu der Villa, und bildet so grüne Dachgärten auf jedem zweiten Geschoss.

Situation (Bild: C.F. Møller Architects)
Wie organisieren Sie das Gebäude?

Der Neubau soll neue Arbeitsweisen für einen aktiven Austausch mit ruhigen, Konzentration ermöglichenden Einzelarbeitsplätzen kombinieren. In den Grundrissen sind daher unterschiedliche Arbeitsbereiche nah beieinander, aber auch mit räumlicher Trennung vorgesehen. 

An der Spitze des Gebäudes befindet sich der Haupteingang, wo auch ein öffentlich zugänglicher Ausstellungs-/Galerieraum als Teil des Foyers vorgesehen ist. Ein verbindender ‚Town Hall‘-Bereich im Erdgeschoss fungiert als Begegnungsstätte, Ereignisraum und kreativer Arbeitsbereich, wo auch Personalversammlungen oder Kundenempfänge stattfinden können. 

Von der geschossübergreifenden „Town Hall“ aus folgt eine Reihe von doppelgeschossigen Räumen den äußeren Abstufungen des Gebäudekörpers nach oben und bietet verschiedenartige Arbeitsbereiche im Zusammenspiel mit begrünten Terrassen. Im Penthouse schließen ein Dachgarten und ein Konferenzraum die Serie von Gemeinschaftsräumen mit weitem Blick über Berlin ab. 

Piktogramme (Bild: C.F. Møller Architects)
Wie können wir uns die Arbeitsplätze und das Arbeitsumfeld im neuen Gebäude vorstellen?

Unser Konzept besteht darin, ein grünes und demokratisches Arbeitsumfeld zu entwerfen, indem wir Innen- und Außenbereiche, Gebäude und Landschaft miteinander verbinden – ein Konzept, das uns am Herzen liegt und das in einem größeren Maßstab unseren Städten zugutekommen kann. 

Die Einrichtung der Arbeitsplätze soll die Freiheit geben, das Mitarbeiter sich in beliebigen Intervallen und relevanten Teams und Projektgruppen zusammenfinden können. Die offene Grundrissgestaltung und Treppen sowie die darauf aufbauende Infrastruktur des Gebäudes unterstützt die Idee einer zeitgemäßen, grenzenlosen Arbeitswelt, in der die tägliche Begegnung und der Austausch im Vordergrund stehen.

Je weiter man sich im Gebäude nach oben bewegt, desto konzentrierter und ruhiger werden die einzelnen Arbeitsbereiche. Die grundsätzliche Offenheit der Büroabschnitte wird ergänzt durch Ruhezonen und Boxen, Coffee-Points und offene Workshopbereiche und klassische Besprechungsräume, die wiederum mit Hilfen von beweglichen Trennwänden zu größeren Flächen zusammengefügt werden können.

Schnitt (Zeichnung: C.F. Møller Architects)
Welches Energiekonzept schlagen Sie vor?

Die Berlin Hyp hat sich der Förderung verantwortungsvoller und nachhaltiger Investitionen verschrieben. Dementsprechend orientiert sich der Entwurf für die neue Zentrale an diesen Prinzipien, wobei das höchstmögliche DGNB-Zertifikat, Platin, angestrebt wird.

Das äußere Erscheinungsbild des Neubaus orientiert sich an dem Bestreben der Berlin Hyp, eine „grüne Bank“ zu sein, die vertrauens- und glaubwürdig ist. Die bepflanzten Terrassen werden mit einer selbstverschattenden Fassade kombiniert, die einerseits die Sonneneinstrahlung reduziert und andererseits einen guten Tageslichtfaktor in den Arbeitsbereichen vorsieht. In das Fassadenraster aus Naturstein sind außerdem neuartige Photovoltaikmodule (wie wir sie zum Besipiel in der Copenhagen International School verwendet haben) zur Eigenstromproduktion integriert. Dies wird kombiniert mit Bauteilaktivierung und einfachen Ventilationsprinzipien, um ein ganzheitliches Konzept zu bilden.

Town-Hall-Bereich (Visualisierung: C.F. Møller Architects)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Das sinnvolle Zusammenspiel von Innen und Außen – verstanden als die Chance, unsere Passion für das Verschmelzen von Architektur und Freiraum hier zu nutzen, um einerseits eine starkes architektonisches Motiv zu bilden mit den abtreppenden Terrassen und dem Dachgarten auf der Gebäudespitze; und andererseits dieses mit den „New Ways of Working“ zu kombinieren um so die Attraktivität und Flexibilität der Arbeitswelt zu stärken. 

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

 Ja, die Fertigstellung ist für Ende 2023 vorgesehen.

Lageplan (Zeichnung: C.F. Møller Architects)
Neubau Firmenzentrale Berlin Hyp
Einladungswettbewerb
 
Auslober/Bauherr: Berlin Hyp AG, Berlin
Betreuer: [phase eins], Berlin
 
Jury
Amandus Samsøe Sattler, Vors. | Prof. Rebecca Chestnutt | Prof. Regine Leibinger | Prof. Manfred Ortner mit Partnern
 
1. Preis
Architekt: C.F. Møller Architects, Aarhus (DK), Kopenhagen (DK), Aalborg (DK), Oslo (NO), London (UK), Stockholm (SE), Malmö (SE), Berlin
 
2. Preis
Architekt: David Chipperfield Architects Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, London (UK)
Tragwerksplaner: wh-p Ingenieure, Stuttgart, Basel (CH), Berlin
Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart, München, New York, NY (US), Paris (FR)
Brandschutzplaner: Ingenieure für Brandschutz Peter Stanek, Berlin
Projektsteuerer: BAL Bauplanungs und Steuerungs GmbH, Berlin
 
3. Preis
Architekt: J.Mayer.H. und Partner, Architekten, Berlin
Tragwerksplaner: Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart, New York City (US), Berlin
Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart, München, New York, NY (US), Paris (FR)
Brandschutzplaner: Brandschutz im Kontext, Berlin
 

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