Zwischen Volkspark und Alex

Ulf Meyer
29. Juni 2021
Zwischen dem Neubau von Tchoban Voss Architekten und den Nachbar-Bauten entstand ein halboffener Hof (Foto: Klemens Renner)

Für die Georgenvorstadt setzte sich die Bezeichnung „Königsstadt“ durch, nachdem Friedrich I. nach seiner Krönung im Jahr 1701 durch die Vorstadt in seine Residenz in Berlin eingezogen war. Im Sprachgebrauch ist der Begriff „Königstadt“ zwar weitgehend verschwunden, aber er soll nun einen Neubau mit 117 Wohnungen schmücken. Entworfen hat das neue „Königstadt-Quartier“ das in Berlin omnipräsente Architekturbüro Tchoban Voss.

Ein „Quartier“ ist es jedoch nicht, sondern ein dichter Wohn-Riegel am Kreuzungspunkt der Ortsteile Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Das Wohngebäude in Berlin-Friedrichshain hat eine „zeitlose und ruhige Architektur“, wie die Architekten es formulieren, und passt sich mit seinen unterschiedlichen Traufhöhen gut in den Maßstab der umgebenden Wohnbauten rund um die Mollstraße aus DDR-Zeiten ein. Der Neubau führt fast zu einer Blockrandstruktur, indem er die Flucht der Bebauung aufnimmt.

Der zehngeschossige Neubau bildet nach Norden einen turmartigen „Kopf“ mit zwei weiteren Geschossen. Der sechsgeschossige, versetzte Bauteil hingegen hat eine Traufhöhe, wie sie im Berlin der Jahrhundertwende üblich war. Er flankiert an der Barnimstraße die Zufahrt zum Innenhof. Am Ende binden das Erd- und das Obergeschoss an das Nachbargebäude an mit Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss.

Die Untersichten der Gesimsbänder sind wie Vouten gestaltet (Foto: Klemens Renner)
Im Foyer ist ausgerechnet Architektur von Lord Norman Foster zu sehen (Foto: Klemens Renner)

Trotz seiner Größe und Dichte wirkt das Gebäude in der Königstadt durch seine raumhohen Fenster und das flächig verglaste Erdgeschoss freundlicher als die Gebäude in der Umgebung. Aus eingefärbtem Architekturbeton gestaltete, vouten-artige Gesimsbänder bilden eine fließende Linie zwischen den Balkonen, Loggien und Fenstern und sollen der Straßenfassade „Plastizität und Spannung verleihen“, so die Entwerfer. Unterstützt wird die horizontale Betonung durch schmale Brüstungen, mit transparenten und opaken Glas-Elementen. 
Das „Quartier“ genannte Gebäude bietet 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen und eine begrünte Dachterrasse. Im teil-offenen Hof zwischen Neubau und Nachbarhaus gibt es eine 600 m² große Kinderspiel- und Grünfläche. Die Tiefgarage hat nur 41 Auto-Stellplätze, denn die Anbindung an den ÖPNV ist gut – da sind die 240 Stellplätze für Fahrräder schon wichtiger.

Alle drei Gebäudehöhen von der Straßenecke aus gesehen (Foto: Klemens Renner)
Grundriss 1. Obergeschoss (Plan: Tchoban Voss)

Vorgestelltes Projekt

Benjamin von Pidoll | Architektur

Haus Mau

Andere Artikel in dieser Kategorie