Zum Jubiläum

Gesa Loschwitz
19. September 2016
Das erste Projekt von Topotek 1 war der Himmelsgarten: die Terrasse vor dem damaligen Büro. (Bild: Hanns Joosten)

1996, noch während sie an ihrer Diplomarbeit an der Universität Hannover arbeiteten, gründeten Lorenz Dexler und Martin Rein-Cano ihr Büro Toptotek 1. Ihr erstes Projekt: die Dachterrasse ihres damaligen Büros. Ein Foto dieser Terrasse eröffnet das Buch «Creative Infidelities», das Topotek 1 anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Büros veröffentlichten. Gleichzeitig gibt es eine Ausstellung in ihrem Büro in Berlin. Während das Buch den Schwerpunkt auf die wichtigsten Ansätze und Methoden des Büros und bedeutende Projekte im Detail legt, stellt die Ausstellung die interdisziplinären Kooperationspartner – Architekten, Künstler und Designer – in den Mittelpunkt.

Creative Infidelities veröffentlichte Topotek 1 anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Büors. (Bild: Hanns Joosten)

Ausstellung und Buch
Diese Art der Öffentlichkeitsarbeit ist typisch für Topotek 1 und geht weit über das übliche der Branche hinaus. Bereits ihr erstes Projekt ließen sie von Hanns Joosten fotografieren, der ihre Projekte bis heute dokumentiert. Damit gehört das Büro zumindest in der Landschaftsarchitektur zu den Vorreitern – das eigene Schaffens für die Öffentlichkeit aufzubereiten, war in den 1990er-Jahren alles andere als üblich. Ihr erste Ausstellung «thinking + working» hatten sie bereits 2002 in der Galerie Aedes – anlässlich der Landesgartenschau in Eberswalde, für die die Landschaftsarchitekten den Park entwerfen. Parallel zu Gartenschau zeigten sie das Making-of und verlegten Schreibtische und Computer in die Galerie. Im einem Interview im Buch zum Park in Eberswalde sagt Martin Rein-Cano dazu, dass er es aus heutiger Sicht bereue, nicht wirklich in der Ausstellung gearbeitet zu haben, die Galerie nicht tatsächlich zum Büro gemacht zu haben. Aber Eberswalde war das erste große Projekt, da konnten sich die Planer solche Experimente noch nicht vorstellen. Das Projekt war ihr Durchbruch und manifestierte ihre Herangehensweise. Sie arbeiteten mit Materialien der industriellen Vergangenheit des Areals, wie zum Beispiel Stahl, und setzen es in einen neuen Bezug.

Die Landesgartenschau Eberswalde war der Durchbruch für Topotek 1 und Türöffner für weitere Projekte. (Bild: Hanns Joosten)

Der Buchtitel, der diese Arbeitsweise zusammenfasst, Creative Infidelities – Kreative Seitensprünge, bezieht sich auf ein Zitat des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges, das die Arbeitsweise des Büros widerspiegelt: Man nimmt Bezug auf etwas und interpretiert es, aber natürlich ist die – zeitgemäße – Übersetzung nie dem Original treu. Dieses Motto zieht sich durch das Buch, die Ausstellung und natürlich die Projekte. Dementsprechend schließt Creative Infidelities auch mit einem Foto, dass den sehr jungen Martin Rein-Cano im Interview mit Borges zeigt. Aus weiteren Interviews, auch mit beteiligten Architekten, erfährt man viel über die Arbeitsweise und Gedankenwelt des Büros. Diese selbstverständliche Interdisziplinarität gehörte von Anfang an zu dem Büro. Die Ausstellung ist noch bis 7. Oktober in der Sophienstraße 18 in Berlin zu sehen, Dienstag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr.
 
Creative Infidelities.
On the Landscape Architecture of Topotek 1
Barbara Steiner (ed.).
Jovis Verlag, Berlin 2016

Die Ausstellung im Büro der Landschaftsarchitekten läuft noch bis 7. Oktober. (Bild: Hanns Joosten)

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