Yakisugi in Tirol

Ulf Meyer
6. November 2020
Foto: Christian Flatscher

Snøhetta hat die neue Zentrale von ASI Reisen in Tirol gestaltet. Architektonisch wie ökologisch vermag der elegante Holzbau zu überzeugen.

Snøhettas Innsbrucker Studio hat für die Firma ASI Reisen, die schon seit Jahrzehnten auf nachhaltigen Tourismus spezialisiert ist, ein Bürogebäude in Natters in Tirol entworfen. Das neue Gebäude soll die Arbeitskultur des Unternehmens und – wichtiger noch – seine Wertschätzung für Natur und Umwelt zum Ausdruck bringen. Die viergeschossige Mischkonstruktion aus Holzskelettbau und Massivholzelementen nimmt insgesamt 65 Arbeitsplätze auf, die Grundrisse sind offen gestaltet. Nur der Keller und der Kern bestehen aus Stahlbeton. Holz kam für die Pfosten-Riegel-Fassade, Fenster, Böden und Akustikpaneele zum Einsatz. Die Innenräume überzeugen mit schönen Atmosphären und präzise ausgearbeiteten Details. Letztere werden zum Beispiel im Bereich der fein gegliederten Holzdecken besonders augenscheinlich. Eine Galerie lässt einen großen Raum über mehrere Etagen entstehen, der Arbeitsplätze, Empfang, Cafeteria, Duschen und Umkleiden umfasst. Große Glasflächen eröffnen schöne Ausblicke auf die Berge und Wälder Tirols. Besucher*innen werden in einem „Base Camp“ empfangen, einem Foyer über zwei Etagen, wo die Geschichte des Unternehmens auf Wandpaneelen erzählt wird. „Pflanzen-Regale“ gliedert die Büros. Eine Brücke verbindet den Neubau mit einem bestehenden Gebäude nebenan, das Besprechungs- und Ruheräume beherbergt. 

Foto: Christian Flatscher
Foto: Christian Flatscher

Bei der üppig begrünten Fassade wurde auf eine japanische Methode zur Holzkonservierung gesetzt, die ökologische Vorzüge bietet – das Yakisugi. Dabei werden die Holzoberflächen karbonisiert. Verkohlt sind sie auch ohne Anstrich wasserdicht und haltbar. Auch Schäden durch Insekten können so auf natürliche Weise vermieden werden.

Foto: Christian Flatscher
Foto: Christian Flatscher

Ein Klettergerüst aus Metall ist der schwarzen Holzfassade vorgehängt, das an der Westseite auch als Balkon genutzt wird. Die grüne Fassade aus Kletterpflanzen dient im Sommer als Blendschutz und zur Verschattung. Im Winter, wenn die Blätter gefallen sind, dringt hingegen mehr Sonnenlicht ins Gebäude, weshalb weniger geheizt werden muss. Auch reduziert die grüne Pufferzone den Energieaufwand für die Gebäudekühlung. Die Pflanzen, nicht weniger als 17 verschiedene Arten, wachsen in Trögen und verändern die Erscheinung der Fassaden im Laufe des Jahres. Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und speist das automatische Bewässerungssystem für die Pflanzen. Durch die grüne Hülle passt sich das Haus besonders gut in seine Umgebung ein.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe heizt und kühlt das Gebäude über die Fußböden. Sensoren messen stetig Raumtemperatur-, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt sowie Windgeschwindigkeit; sie steuern automatisch die natürliche Lüftung über mechanisch angetriebene Lüftungsflügel. Genutzt werden dabei der thermische Auftrieb sowie der Winddruck, um das Gebäude mit Frischluft zu durchströmen. Der Öffnungsgrad der Lüftungsflügel sowie die Öffnungszeit und -dauer sind abhängig von der Umgebung und dem Raumklima.

Die Fertigstellung des Neubaus ist ein gute Nachricht für die Tourismusbranche, die besonders unter der Pandemie und den ergriffenen Gegenmaßnahmen leidet.

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt A
Schnitt B

Patrick Lüth, Leiter von Snøhettas Niederlassung in Innsbruck, hat uns das Projekt im Interview mit Austria-Architects.com erklärt.

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