Witterungsschutz für Römermauer

Manuel Pestalozzi
2. August 2021
Beim siegreichen Projekt von Busch & Takasaki Architekten BDA, Berlin, besteht die Schutzmassnahme aus einer mit Edelstahlgewebe verkleideten Stahlkonstruktion. (Visualisierung: Busch & Takasaki Architekten)

Um 370 n. Chr. unter Kaiser Valentinian I.  soll sie errichtet worden sein, die so genannte Heidenmauer im Zentrum von Wiesbaden. Die verbliebenen 80 Meter benötigen einen Witterungsschutz. Beim zweiphasigen Realisierungswettbewerb schwangen zwei ganz unterschiedliche Stahlkonstruktionen obenaus.

Das aus einem Gussmauerwerk bestehende Fragment, für welches kein einheitliches Steinmaterial verwendet wurde, ist Teil einer längeren Schutzanlage, über deren ursprünglichen Sinn und Zweck keine klare Deutung existiert. 1903 ergänzte es der damalige Stadtbaumeister bei einem frischen Durchbruch mit dem so genannten Römertor, für das ihm eine Rekonstruktion im Kastell Saalburg als Vorbild diente. In Wiesbaden schätzt man den Bauzeugen aus der tiefen Vergangenheit als größte im Bauvolumen erhaltene Struktur der Antike in Hessen. Für die Stadtgeschichte hält man es von fundamentaler Bedeutung. Zur dauerhaften denkmalgerechten Sicherung verfolgt die Landeshauptstadt in enger Zusammenarbeit mit der kommunalen Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen die Realisierung eines Witterungsschutzes, der dem Bauwerk und seiner Umgebung angemessenen ist und die historische Bedeutung der römischen Siedlung Aquae Mattiacorum im heutigen Stadtgebiet von Wiesbaden betont.

Im zweiphasigen Realisierungswettbewerb war ein war ein städtebauliches, architektonisches und freiraumplanerisches Gesamtkonzept zu entwickeln, das den Besonderheiten des Ortes ebenso gerecht wird, wie den funktionalen Anforderungen an den Schutz der Unteren und Oberen Römermauer. Das Preisgericht unter dem Vorsitz des Architekten Ferdinand Heide vergab im Realisierungsteil zwei erste Preise und empfahl der Ausloberin, eine der Arbeiten mit der weiteren Planung zu beauftragen. Die siegreiche Arbeit von adp Architekturbüro Dr. Pabel, Ansfelden, verbindet den Schutz der Römermauer mit der Möglichkeit, die Mauer zu begehen. Vorgeschlagen wird eine filigrane Stahlkonstruktion mit Unterspannungen, die breit genug und leicht ausgestellt ist, um einen überzeugenden Witterungsschutz zu gewährleisten. 

Die ebenfalls mit einem ersten Preis bedachte Arbeit von Busch & Takasaki Architekten BDA, Berlin, verhüllt die Obere und Untere Römermauer mit einer leichten, zum Witterungsschutz mit Edelstahlgewebe verkleideten Stahlkonstruktion. Im unteren Bereich der Römermauer ist die Hülle begehbar gestaltet. Der hier vorhandene Steg eröffnet die Möglichkeit, die Mauer in diesem Abschnitt atmosphärisch zu erleben, wie sich das Preisgericht ausdrückte. Die Verkleidung der Stahlkonstruktion mit Edelstahlgeweben lässt variantenreiche, von unterschiedlichen Lichtstimmungen geprägte Anmutungen sowohl im Bereich des Denkmales als auch im Stadtraum erwarten. Ziel der Verfasser ist, die gesamte Römermauer im Stadtraum deutlich ablesbar zu präsentieren. 

Das Projekt von adp Architekturbüro Dr. Pabel, Ansfelden, errang ebenfalls einen ersten Preis. Es möchte das Mauerfragment mit einem öffentlichen Steg bekrönen, der auch Witterungsschutz ist. (Visualisierung: adp Architekturbüro Dr. Pabel)

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie