Wenn einer eine Reise tut

 Katinka Corts
12. September 2018
Bild: AllesWirdGut
Dass das ursprüngliche Camping durch das luxuriöse Glamping abgelöst wird, daran hat man sich langsam gewöhnt. Dass auch die Zeiten des heimeligen VW-Busses mittlerweile vorbei zu sein scheinen, zeigt das Projekt NILS.
Die Seitentür war schon länger nicht mehr dicht, der Spiegel letztens beim Parken neben dem Baum ramponiert worden. Die Polster der selbst eingebauten Sitzecke durchgesessen und der Gaskocher sollte bald wieder mal kontrolliert werden. Der individuell umgebaute VW T3 galt trotz einiger Macken über viele Jahre als die Option schlechthin, wenn Isomatte und feuchtes Zelt ungewünscht waren. Und heute? Mittlerweile gibt es Fahrzeuge, die in großem Stil an die Bedürfnisse und Wünsche der Kundschaft angepasst werden – die gern auch mehrgeschossigen LKW-Aufbauten haben ausfahrbare Erker und sogar Garagen, damit ein kleines Stadtauto mit auf Reisen genommen werden kann. Was die Camperin fragen lässt, wieviel Camping das noch ist. Aber das nur am Rande.
Energieautark auf Reisen mit NILS (Bild: tschinkersten fotografie)
Nicht so extrem und dennoch sehr weit trieb es das Planerteam von AllesWirdGut, als es für einen privaten Auftraggeber ein Reisemobil baute. Der auf Maß gefertigte Wohnzellenaufbaus für den allradbetriebenen MAN Truck TGM 13290 bringt seinen Besitzer tagsüber quer durch die Kontinente und ist für Pausen und die Nacht geschickt umbaubar. Ja, auch der T5 konnte umgebaut werden. Aber über dessen Ausklappdach braucht man angesichts NILS nicht zu sprechen. Denn der Truck beherbergt alles für das Reisen benötigte in großer Dimension, sei es der Schlafbereich, die Küche oder Dusche und Bad – letzteres sind tatsächlich zwei einzelne Räume. 600 Liter Frischwasser führt NILS mit, das Grauwasser wird wiederum noch als Toilettenspülung genutzt vor der Entsorgung. Zwölf Hochleistungsakkus, versteckt unterhalb der Sitzbänke, versorgen die benötigte "Haus"technik mit Energie. Tisch und Sitzbänke der Wohnküche können bei Belieben auch zu einer weiteren Liege- oder Sofafläche umgebaut werden.
Grundriss (Plan: AllesWirdGut)
Wasserinstallationen und Elektronikaufbau im Wohnaufbau (Plan: AllesWirdGut)
Den Innenraum haben die Architekten mit viel Weiß und punktuellen Farben freundlich gestaltet, alle verbauten Materialien sind pflegeleicht und strapazierfähig. AllesWirdGut erläutert: "Das Gefährt ist energieautark und redundant mit Photovoltaik, Klimaanlage, Heizung und Backrohr ausgestattet, verfügt über 800 Liter Wassertanks – selbstverständlich Warmwasser – einen kleinen Geschirrspüler ebenso wie über eine  Alarmanlage. Mit einer Markise kann der Essplatz im Freien beschattet werden." Behaglichkeit und Atmosphäre, die heutige Wohnmobile meist vermissen lassen, ist hier auf kleinem Raum geschaffen worden. Hoffentlich macht auch das Putzen des weißen Edelkastens Freude. 
Sitzecke (Bild: tschinkersten fotografie)
Sofaecke (Bild: tschinkersten fotografie)
Blick in Richtung Schlafraum (Bild: tschinkersten fotografie)

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