Universitätsbau von SWAP Architekten: Merci BOKU!

Ulf Meyer
27. März 2021
Foto: Hertha Hurnaus

Beim ansprechenden Holzbau des neuen Seminar- und Bibliothekszentrums der Wiener Universität für Bodenkultur wurde verstärkt auf digitale Werkzeuge gesetzt. Das Projekt entspricht den Kriterien des Bundes für klimafreundliches Bauen.

Ein Grünraum, eine Seniorenresidenz und der Döblinger Friedhof sind die Nachbarn des Campus der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien. Die für das Stadtgebiet naturnahe, ruhige Umgebung war Ausgangspunkt und Inspiration für den Entwurf des neuen Seminar- und Bibliothekszentrums von SWAP Architekten. Durch raumhohe Verglasungen wird das Universitätsleben von außen einsehbar, während der Baukörper mit seiner Fassade aus unbehandelter Lärche eine Adresse am Campus bildet. Im Neubau sind acht Seminarräume untergebracht. Im Erdgeschoss befindet sich ein großes Foyer, das durch mobile Trennwände erweitert und für Veranstaltungen genutzt werden kann. Hinzu kommen ein Mensa-Kiosk, zwei Seminarräume und ein Coop-Supermarkt. Die Bibliothek in der Etage darüber verfügt über einen Freihandbereich, 100 Leseplätze, Computerarbeitsplätze und eine Lounge. Im zweiten und dritten Stock liegen die Büros zweier Institute. Jedes Geschoss besitzt zudem einen Besprechungsraum und eine Teeküche als Treffpunkt. Ingesamt sind in dem neuen Haus 120 Arbeitsplätze für Dozenten untergebracht; 650 Studierende können dort unterrichtet werden.

Neue Möglichkeiten genutzt

Der Holzbau ist der übrigen Bauwirtschaft bei der Digitalisierung deutlich voraus. Die Arbeit auf Basis von Daten aus 3D-Modellen ist zum Beispiel eine seit langem bewährte Praxis, und die Vorreiter der Branche setzen Roboter in der Vorfertigung ein. Trotzdem wurde beim BUKO-Projekt in der Planung überdurchschnittlich stark auf digitale Werkzeuge gesetzt. So kamen neben BIM (Building Information Modeling) weitere Tools wie das Rapid-Layouting der Firma Eva und das Virtual-Reality-Tool IVAN zur Anwendung. Ein neuartiges Monitoring garantierte überdies die hohe Qualität der Holzbauteile.

Foto: Hertha Hurnaus
Einladende Gestaltung

Die Architektursprache des Gebäudes ist indes weniger neuartig, sondern vertraut und überzeugend. Das Konstruktionsraster ist von den Fassaden und Geschossdecken gut ablesbar. Das Sockelgeschoss besteht aus Beton und spannt durch seine Form einen Vorplatz auf. Es trägt den Holzbau, der die Gebäudefluchten des Schwackhöfer-Hauses aufnimmt. Jenes wurde 1974 nach Plänen des Wiener Architekten Anton Schweighofer (1930–2019) erbaut. Platz und Eingangsebene verbinden den Bestands- mit dem Neubau, der Zugang von der Peter-Jordan-Straße erfolgt über eine Rampe.

Alle Betonoberflächen im Gebäudeinneren sind in Sichtqualität ausgeführt, und die Leitungen an den Decken wurden nicht versteckt. Die einläufigen Stiegen sind platzsparend und gewährleisten getrennte Fluchtwege. Auch aus Erwägungen des Brandschutzes sind Räume mit hohem Personenaufkommen in den unteren Geschossen verortet und haben direkte Fluchtwege ins Freie. In den Institutsgeschossen sind durch die Ringerschließung kurze Wege garantiert. Für helle, freundliche Erschließungsflächen sorgen Verglasungen und vor allem Oberlichter. Über einen Luftraum, der sich über zwei Geschosse zieht und als Kommunikationszone genutzt werden soll, sowie ein Glasdach werden auch die tief im Gebäudeinneren liegenden Besprechungsräume natürlich belichtet.

Foto: Hertha Hurnaus
Schnell und möglichst klimafreundlich bauen

Der vorgefertigte Holzrohbau konnte wegen des bereits erwähnten Einsatzes digitaler Werkzeuge in nur sechs Wochen errichtet werden. Die Verwendung ebenfalls vorgefertigter Betonteile ermöglichte, parallel zu den Arbeiten in den oberen Stockwerken schon die Fertigstellung der Fassade des Erdgeschosses und dessen Innenausbau voranzutreiben. Insgesamt dauerte die Bauzeit 14 Monate.

Es wurden 1000 Kubikmeter Brettschichtholz für die Stützen, Träger und Decken verbaut. Bei der Auswahl von Bauprodukten und -materialen wurde der klimaaktiv Kriterienkatalog des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie beachtet. Der Heizwärmebedarf des Gebäudes liegt bei 21 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, also auf dem Niveau eines Niedrigenergiehauses. Geheizt wird mit Fernwärme über einen Heiz-Kühl-Estrich. Über die mechanische Lüftung kann die Raumluft nach Bedarf be- und entfeuchtet werden. Gegen Überhitzung wurde ein außenliegender Sonnenschutz eingebaut. Das Bauwerk von SWAP hat die Zertifizierung klimaaktiv Gold verliehen bekommen.

Die Bürogeschosse könnten wegen ihrer Skelettkonstruktion und den leitungsfreien Trennwänden jederzeit einfach umgebaut werden. Und schließlich wurde auch der Rückbau vorausgedacht: Die Konstruktion kann eines fernen Tages in Platten, Stützen und Träger zerlegt und wiederverwendet oder recycelt werden. Alles in allem überzeugt der Bildungsbau also.

Situation
Grundriss Ebene 2
Grundriss Ebene 3
Grundriss Ebene 4
Grundriss Ebene 6
Schnitt A
Schnitt B

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