Neues von Fluss Bad Berlin

Tim Edler: „Aktuell fehlt dem Projekt nicht die Planung. Es fehlen die Richtlinien für die Umsetzung“

Katinka Corts
3. Mai 2022
Visualisierung: ©2022 Adrian König / realities:united / Flussbad Berlin e.V.

Über das Fluss Bad Berlin berichten wir schon seit vielen Jahren, nun gibt es die erfreuliche Erkenntnis, dass die angestrebte Wasserqualität baulich einfacher und damit auch kostengünstiger erreicht werden kann. Viereinhalb Jahre wurde geforscht, über 1700 Laboranalysen brachten viele Informationen zur Berliner Spree. 


Wo, wenn nicht hier, findet eine Pressekonferenz zu diesem Thema statt? Der Verein Fluss Bad Berlin lud ans Märkische Ufer und auf das Schiff Hanseat, um die Ergebnisse der mehrjährigen Forschung zu Wasserqualität und Wasserfilteranlagen vorzustellen. Ingenieur Heribert Rustige von AKUT Umweltschutz Ingenieure Burkard und Partner erläuterte zunächst die Untersuchungen der letzten Jahre. Zuerst sei es darum gegangen, verschiedene Wasserfiltersysteme auf ihre Wirksamkeit und Einsetzbarkeit in der städtischen Spree zu prüfen. Sechs verschiedene biologische Verfahren seien untersucht worden, wovon sich eine Filtrierung mit Blähton als am wirksamsten erwies. Das Wasser der Spree fließt von Süden in den Spreekanal zum Kupfergraben und soll dort künftig durch biologische Filter geleitet werden, die sich an der rechten Uferwand knapp unter der Wasseroberfläche befinden. Diese werden von oben nach unten durchströmt, wobei das Wasser von Keimen und Blaualgen gereinigt wird und dann in das Schwimmbecken am Schlossplatz strömt.
 

Die Ergebnisse zeigen, „dass die Wasserqualität im weit überwiegenden Normalfall heute schon ausreichend oder fast ausreichend ist. Der biologische Filter, der in diesen Phasen alleine arbeitet, kommt deshalb mit weniger Leistung aus und kann kompakter sein als ursprünglich angenommen.“

Dipl.-Ing. Heribert Rustige

Lageplan mit aktueller, kleinerer Filteranlage im unteren Spreekanal (Plan: ©2022 Flussbad Berlin e.V.)


In einem Frischwasserbecken testeten die Ingenieure zudem, wie lange die erreichte Wasserqualität nach der Filterung im Schwimmbereich erhalten bleibt. Im Flussmodell mit Sandboden-Aufbau strömte, gleich dem Spreekanal, das Wasser langsam ein und aus und es zeigte sich, dass auch bei einer Schließung des Zulaufs die Wasserqualität im gefilterten Wasser für zwei bis drei Tage gehalten werden kann. Eine wichtige Erkenntnis aus den Untersuchungen und zugleich eine große Erleichterung sei, dass die ursprünglich für den Filter angenommene Fläche viel kleiner ausfallen kann. Das kommt auch der Denkmalpflege entgegen, die beim Projekt von 2018 bemängelte, dass die Schilfpflanzen im Kanal das Wasser vollständig überdeckten und sich damit auch die historischen Kanalbrücken nicht mehr im Wasser spiegeln würden. 
 

Visualisierung: ©2022 Adrian König / realities:united / Flussbad Berlin e.V.


Carsten Riechelmann, zuständig für die Forschungsthemen beim Flussbad Berlin e.V., erläuterte anschließend die Messsysteme, mit denen die Wasserqualität überwacht werden wird. Anhand von Wettervorhersagen sei heute die aufkommende Niederschlagsmenge 24 Stunden vor Ereignis abschätzbar, damit könnten bereits Maßnahmen eingeleitet werden. Bei der dann für kurze Zeit höheren Keimbelastung könnte das Wasser durch eine UV-Reinigung zusätzlich gereinigt werden, aber auch eine Sperrung des Zulaufs bis hin zu einem temporären Schwimmverbot seien so planbar. Das Kompetenzzentrum Wasser Berlin arbeitet an verbesserten Frühwarnsystemen, neuartige Wasseranalysegeräte würden zudem ermöglichen, wesentlich schneller Aussagen zur Wasserqualität zu treffen, was das Betriebsmanagement erheblich vereinfacht. Riechelmann hält das Projekt denn auch für „sehr wahrscheinlich umsetzbar“.
 

„Das lange Durchhaltevermögen des Vereins und auch des Berliner Senats, der die Forschungsarbeiten mit Hilfe von Bundesmitteln seit 2017 finanziert hat, haben sich ausgezahlt. Wir sind froh darüber, dass das Projekt jetzt insgesamt wesentlich leichter, ökonomischer und nachhaltiger wird und den Anliegen des Denkmalschutzes besser entsprechen kann.“

Prof. Tim Edler

Projektstudie 2018 mit vollflächigem Grünfilter (Plan: Flussbad Berlin e.V.)
Projektstudie 2021 mit reduziertem Grünfilter an der Seite (Plan: Flussbad Berlin e.V.)


Flussschwimmen in der Spree ist also realistisch und könnte in einigen Jahren Teil des Stadtbildes sein. Mit den Freitreppen am Wasser, den Einstiegspontons und mit der frei nutzbaren Wasserfläche selbst kann ein neuer Aufenthaltsbereich inmitten der Großstadt geschaffen werden. Die mit den neuen Erkenntnissen machbare Version ist baulich um ein Drittel einfacher zu realisieren und damit „kleiner, leichter, ökologischer und eleganter“, wie es Tim Edler vom Verein zusammenfasste. Hilfreich für einen erfolgreichen Projektstart sei auch, dass der Senat das Planungsgebiet bereits 2019 zum Stadtumbaugebiet deklariert und damit eine Förderkulisse geschaffen habe. „Aktuell fehlt dem Projekt nicht die Planung, sondern die Richtlinien für die Umsetzung. Diese Vorgaben brauchen wir von der Landesregierung, um mit der Planung starten zu können.“ 

Und den Streitpunkt Schlossplatztreppe versus Einheitsdenkmal gelte es zu lösen. Architekt Johannes Milla, der das Denkmal entworfen hat, sieht selbiges durch die Treppe herabgewürdigt. Für die Treppe waren bereits 4.65 Millionen Euro bewilligt worden, kürzlich stellte der BBR eine aktuelle Kostenschätzung vor, die um etwa 23% höher liegt. Das sei aber bei einem solchen Planungshorizont durchaus normal, so Edler, und es gebe auch aktuell keine Alternative zum Treppenprojekt. Das Problem sei aber, dass sich die Senatsverwaltung nicht einigen kann, wer die Kosten für die Verkehrssicherheit und die Reinigung übernimmt. „Wir laden gern immer wieder zum Austausch ein“, so Edler.
 

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