The wunderkind

Ulf Meyer
4. Januar 2020
Helmut Jahn (Foto: Ingrid von Kruse)

Helmut Jahn ist auch mit 80 Jahren noch erfolgreich. Am 4. Januar hatte der deutsch-amerikanische Architekt Geburtstag.

Ende September wurde in Chicago der Grundstein für den höchsten Wohnturm der Stadt gelegt: Der „1000 M“-Tower an der Michigan Avenue ist das (Spät-) Werk von Helmut Jahn. Eine der großen Architektenkarrieren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – die von Helmut Jahn, der auch in Deutschland mit dem Frankfurter Messeturm, dem Sony Center in Berlin oder dem Post-Hochhaus in Bonn die Silhouetten von Großstädten prägt, will nicht enden.

50West in NYC (Foto: Rainer Viertlböck)

Jahn begann seine Karriere im Büro C. F. Murphy in Chicago, wo sich der in Nürnberg geborene Architekt als starker Entwerfer erwies. Bevor Jahn Murphys Büro 1983 übernahm, hatte er mit dem Xerox Center in Chicago ein Meisterwerke geschaffen, das Jahns Liebe zur Geometrie belegte: Das Xerox Gebäude gilt als neuer Typ eines urbanen Hochhauses ohne Pilotis, mit Spiegelglas-Fassaden, deren  runde Ecken an Art Déco erinnert. Jahns erste Entwürfe wirkten schnittig und modisch. Mit dem State of Illinois Center in Chicago wurde Jahn 1985 zum Star. Glasaufzüge fahren darin wie kinetische Skulpturen entlang von offenen Galerien auf 17 Etagen. Vom Glas-Atrium aus können Bürger ihrem Bundesstaat beim Funktionieren zusehen. Die „offene Regierung bei der Arbeit“ hat Jahn architektonisch inszeniert. Als „Wunderkind“ wurde Jahn bezeichnet und bekam Aufträge für Hochhäuser in Philadelphia, New York, Singapur, Warschau, Tokyo, Johannesburg und Rotterdam. Neben Werken im Mittleren Westen der USA hat Jahn auch viele deutsche Städte mit Geschäftshäusern versehen: Von Bremen, Leverkusen, Rostock und Mannheim bis Düsseldorf reicht Jahns hiesiges Oeuvre.

RESTON in Reston VA (Foto: Rainer Viertlböck)

Zu Jahns zweiter Spezialität wurden Flughafen-Terminals: In Köln, München, Bangkok und Chicago kann man erleben, wie weite Jahn Tragwerke zu „Kathedralen des Verkehrs“ macht. Gemeinsam mit Werner Sobek entwickelte Jahn große Glasfasermembran-Dächer, die öffentliche Räume überspannen. Jahn prägte ein Wort für diese Kollaboration: Archi-neering. Bei Jahn soll „Technologie der Architektur dienen“: Fassaden sind für ihn nur eine dünne Klima- und Umwelt-Hülle. „Das ultimative Gebäude wäre eines, das allen Komfort bietet mit einer Architektur, die gleichzeitig dient und verschwindet“, so Jahn. „Architektur aus Glas ist für ihn „eine Architektur aus Licht“. Das elliptische Dach des Sony-Centers am Potsdamer Platz in Berlin beispielsweise leuchtet in der Dämmerung lila und pink. Das „Center“ für Unterhaltung und Konsum wirkte ohne farbliche Animation allerdings auch aseptisch und kühl.

1301 PENNSYLVANIA in Washington DC (Foto: Rainer Viertlböck)

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