Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Franken eröffnet

Tempelberg in Fürth

 Carsten Sauerbrei
1. Juni 2018
Blick auf den Neubaus vom neuen Jean-Mandel-Platz. (Bild: Jüdisches Museum Franken / Annette Kradisch, Nürnberg)
Mit der geschlämmten Klinkerfassade des Fürther Erweiterungsbaus des Jüdischen Museums Franken nimmt der Bamberger Architekt Ulrich Manz Bezug auf die Westwand des Jerusalemer Tempelbergs. Mitte Mai wurde der Erweiterungsbau eröffnet.
Neubauten Jüdischer Museen stehen spätestens seit Daniel Libeskinds Berliner Werk im Fokus des Interesses. Ihre Architektur soll neben der Bedeutung für die Museumsnutzung häufig darüber hinausgehende symbolische Funktionen wie die Erinnerung an die Schoah oder allgemeiner die Bezugnahme auf jüdisches Leben erfüllen. Der Bamberger Architekt Ulrich Manz fand bei dem Fürther Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Franken für diese besonderen Herausforderungen eine passende Lösung, indem er die Fassade des Neubaus als eine markante, an die Jerusalemer Klagemauer erinnernde Klinkerfassade gestaltete.
Der Eingangsbereich der Krautheimer Studienbibliothek mit der Kunst-Installation der Nürnberger Wort-Künstlerin Dagmar Buhr. (Bild: Jüdisches Museum Franken / Annette Kradisch, Nürnberg)
Schon 1999 zur Eröffnung des Fürther Museums in einem historischen Fachwerkhaus erschien dessen baldige Erweiterung aufgrund Platzmangels als unabdingbar. Den 2008 dafür initiierten Architekturwettbewerb gewann die Arbeitsgemeinschaft Gatz, Kuntz und Manz, deren Entwurf Ulrich Manz ab 2015 allein realisieren konnte. Im neuen Bauteil des Museums entstanden vor allem partizipativ nutzbare Bildungsräume, wie etwa ein Werk- und Seminarraum, Ausstellungsflächen oder eine Studienbibliothek, aber auch ein Veranstaltungssaal.
Die Adolph-S.-Ochs-Leselounge ist einer der neuen Räume im Erweiterungsbau. (Bild: Jüdisches Museum Franken / Annette Kradisch, Nürnberg)
Ulrich Manz gelang es, den Neubau in den historischen Kontext der Fürther Innenstadt einzufügen, indem er mit Höhe und Geschossigkeit Bezug auf die benachbarten Fachwerkhäuser nimmt. Er schuf aber auch ein bewusst zeitgenössisch gestaltetes Gebäude, das mit seinem kubischen, autonom wirkenden Baukörper im Kontrast zu seinen spitzgiebeligen Nachbarn steht und das der labyrinthischen Kleinteiligkeit und introvertierten Enge des Bestands die Weite großzügiger, hell und freundlich gestalteter Raumfolgen mit reizvollen Ausblicken in den Stadtraum entgegengesetzt.
Die verschlämmte Klinkerfassade des Neubaus soll an die Jerusalemer Westwand des Tempelbergs erinnern. (Bild: Jüdisches Museum Franken / Annette Kradisch, Nürnberg)
Besondere Aufmerksamkeit widmete Manz der Klinkerfassade, die mit unregelmäßig vermauerten, teils erhabenen und teils zurückspringenden Ziegeln, eine reizvoll raue Oberfläche besitzt und die je nach Lichtverhältnis mal sanfte, mal scharfe Konturen erkennen lässt. Mit einer ockerfarbenen Schlämme stellt Manz darüber hinaus einen weiteren Bezug zu anderen mit fränkischem Sandstein verkleideten Gebäuden in der Fürther Innenstadt her, möchte aber auch bewusst Assoziationen an die Westwand am Jerusalemer Tempelberg hervorrufen.
Verbindungssteg von Alt- und Neubau mit der hebräischen Aufschrift «Fjorda» für Fürth. (Bild: Jüdisches Museum Franken / Annette Kradisch, Nürnberg)

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