Symbolisch geahndet

John Hill, Katinka Corts
23. August 2019
Ponte della Costituzione (Foto: Filippo Leonardi per Comune di Venezia/Wikimedia Commons)

Ein italienisches Gericht hat entschieden, dass Architekt Santiago Calatrava der Stadt Venedig 78'000 Euro zahlen muss. Grund für das Urteil: „Fahrlässigkeit“ bei der Ponte della Costituzione.

Die 94 Meter spannende Fußgängerbrücke verbindet in Venedig die Parkplatzinsel mit jener des Bahnhofs. In den vergangenen Jahren waren bereits verschiedene Mängel an der 2008 eingeweihten Brücke ausgebessert worden – dabei ging es sowohl um statische Sicherungen an den Lagern als auch um die Integration einer Kabine, in der Rollstuhlfahrer*innen die Glasstufentreppe passieren können. 

Laut einem Artikel des Telegraph über den Gerichtsbeschluss hätten die Richter zudem die Dimensionierung der Stahlrohre bemängelt und die Haltbarkeit der Glasstufen. Letztere hätten trotz einer angegebenen Lebensdauer von mindestens 20 Jahren bereits teilweise ausgetauscht werden müssen. Dass sie rutschig und damit gefährlich werden bei Regen und Nebel sei auch eine entscheidende Kritik gewesen. Haben Design und Materialwahl also vielleicht doch nicht zu einer Brücke gepasst, die zehntausende von Touristen täglich queren?

Die verhängte Buße von 78'000 Euro ist eine leistbare Summe für ein großes Büro wie jenes von Calatrava. Im Verhältnis zu den Kosten der Brücke, die im vergangenen Jahrzehnt von geplanten 7 Millionen auf über 11 Millionen Euro stiegen und viel Unmut in der Stadt verursachten, fällt sie jedoch eher symbolisch aus.

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