Susanne Wartzeck befürchtet „Nachhalleffekt“

Manuel Pestalozzi
30. April 2020
„In der Krise hat jeder sein Päckchen zu tragen“, sagt Susanne Wartzeck im Interview. Der BDA erwarte keine staatliche Kompletthaftung für ökonomische Risiken der Mitglieder. (Foto: Klaus Hartmann)

Die Präsidentin des Bundes Deutscher Architekten (BDA) hat sich am 27. April in einem Interview zu den Zukunftsaussichten des Berufsstandes in und nach der Pandemie geäußert. COVID-19 legt die Schwächen und die Abhängigkeiten offen.

Was kann der BDA aktuell für seine Mitglieder, die freien Architektinnen und Architekten in Deutschland ganz allgemein tun? Nun, eine seiner Aufgaben besteht darin, die Befindlichkeit zu analysieren. BDA-Präsidentin Susanne Wartzeck weist im Interview darauf hin, dass der BDA noch im März eine allgemeine Mitgliederbefragung durchgeführt hat. Diese deutete primär auf Sorgen und Probleme hin, welche alle Selbständigerwerbenden, die zum Home Office-Betrieb gezwungen sind, beschäftigen.

Das nun doch langsam absehbare Ende dieser akuten Alltagssorgen lässt das zweite grosse Problem in den Vordergrund rücken. Susanne Wartzeck nennt es den „Nachhalleffekt“: „Es begründet sich in der typischen Schere zwischen Leistungserbringung der planenden Berufe und deren Honorierung, die ja erst erfolgt, wenn das geschuldete Werk vollendet ist“, sagt die BDA-Präsidentin, „viele Büros haben derzeit noch gut zu tun, die wirtschaftlichen Effekte stellen sich dann erst mit einer Verzögerung von beispielsweise einem halben Jahr ein, wenn es anderen Berufsgruppen hoffentlich schon wieder besser geht.“

Bei diesen befürchteten Langzeitwirkungen ist der Handlungsspielraum des BDA naturgemäss klein. „Wir unterstützen aber die Architektenkammern und den Bundesverband der Freien Berufe bei ihren Gesprächen mit dem Bundeswirtschaftsministerium über angemessene Hilfen“, sagt Susanne Wartzeck dazu und deutet anschliessend die vom Verband vertretene politische Stossrichtung an: „Von der Immobilienwirtschaft, vor allem aber vom öffentlichen Sektor erwarten wir ein geordnetes Weiterbetreiben des Vergabe- und Wettbewerbswesens und überhaupt eine Fortführung bestehender Bau- und Investitionsplanungen, statt auf die Bremse zu treten.“ Sie nimmt hier positive Entwicklungen wahr: „In Hessen, wo ich mit unserem Büro ansässig bin, ist ein landesweites Förderprogramm für die Ertüchtigung des Bestands, das auch viele Schulsanierungen umfasst, zeitlich um ein Jahr verlängert worden, um den Druck darauf herauszunehmen.“

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