Standespolitik auf Kosten des eigenen Standes?

Falk Jaeger
29. Februar 2016
Der neue, noch nicht eröffnete Flughafen in Berlin-Schönefeld von gmp Architekten (Bild: Marcus Bredt)

Eine Wettbewerbsinitiative will die Vergaberichtlinien so verbessern, dass sich junge Architekten im Wettbewerb nicht mehr diskriminiert fühlen. Einige Formulierungen in der Begründung schießen auf die Falschen, kommentiert Falk Jaeger.

Dass Architekten mit den derzeit gültigen Vergaberichtlinien nicht zufrieden sind, kann man verstehen. Dass sich insbesondere junge Architekten durch die Vergabeverordnung diskriminiert fühlen, ist auch nachvollziehbar. Wenn also eine «Wettbewerbsinitiative der Jungen Architekten der Architektenkammer Berlin» das Wort an den Bundestag richtet und Vorschläge für eine Verbesserung der VgV macht, ist das durchaus zu begrüßen.
Problematisch allerdings wird es, wenn die jungen Architekten unter dem Dach der Architektenkammer in der Begründung ihrer Initiative ein Großbüro-Bashing anzetteln. Skandalös wird es, wenn Berufskollegen ins Zwielicht gerückt werden. Und zuletzt peinlich wird es, wenn diese Angriffe jeglicher Grundlage entbehren und die Verfasser offenbar nicht wissen, wovon sie reden.

Es geht um die von der «Wettbewerbsinitiative» am 12. Februar 2016 veröffentlichten Kernforderungen für eine neue VgV (siehe hier). Darin heißt es: «Einige der Folgen davon können dabei u. a. beim Flughafenneubau in Schönefeld / BER besichtigt werden: Wirtschaftliche und qualitative Totalbauausfälle, die in der speziellen Vergabepraxis der öffentlichen Hand begründet sind, nur die bekannten und bewährten Büros zu beauftragen. Ein offener Planungswettbewerb statt des angewandten nichtoffenen
Vergabeverfahrens auf Grundlage vorgelegter Referenzen am Flughafen Schönefeld / BER hätte die wohl als abenteuerlich zu bezeichnende Konzeption der die Eröffnung hauptsächlich verzögernden Brandschutzanlage verhindern können. Dieses deshalb, da ein nur bei Planungswettbewerben vorhandenes Fachpreisrichterkollegium diese gegen alle Vernunft gerichtete Konzeption in einer der ersten Beurteilungsrunden eines Planungswettbewerbes sicherlich aussortiert hätte. So aber entschied der Bauherr selbst, auf Grundlage vergangener Referenzen und sonstiger rein quantitativer Leistungsnachweise, das betreffende technische Planungsbüro für Brandschutz zu beauftragen – ohne Kenntnis dessen, was für eine Planung dieses erstellen wird. Hier steht also der fachlich unberatene Kauf einer Black Box im nichtoffenen Vergabeverfahren gegen den fachlich begleiteten Wettbewerb der Ideen um das beste und angemessenste Konzept für die anstehende Bauaufgabe.»

Wer einigermaßen kritisch die Presse, vor allem die Fachpresse verfolgt hat, wer die kürzlich publizierten Ergebnisse des parlamentarischen Untersuchungsausschusses und des Landesrechnungshofes auch nur oberflächlich registriert hat, weiß, dass das BER-Desaster völlig andere Ursachen hat. Auch die Vorstellung, dass eine Fachjury einen Entwurf wegen einer Brandschutzanlage «sicherlich aussortiert» hätte, zeugt von wenig Ahnung davon, wie größere Bauvorhaben juriert, geplant und ausgeführt werden. «Diese Argumentationskette ist so falsch, anmaßend und schädlich für den gesamten Berufsstand, dass ich persönlich in keinerlei Zusammenhang mit dieser Gruppe gebracht werden möchte», ist aus entsetzten Architektenkreisen zu hören. Das hier inkriminierte «bekannte und bewährte Büro» gmp ist übrigens ein Büro, das auch mal am Küchentisch angefangen hat und das noch heute 80 Prozent der Aufträge über Wettbewerbe akquiriert. Man kann also nicht sagen, dass die jungen – ungestümen? – Architekten mit dieser ehrenrührigen Initiative sich oder ihrem Berufsstand einen Gefallen getan hätten.

Bild: Marcus Bredt

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