Sieben Kapellen an Radwegen

Manuel Pestalozzi
29. März 2021
Die Kapelle Kesselostheim von Staab Architekten ist umgeben von einer kleinen Baumgruppe. (Foto: © Marcus Ebener)

Radfahren kann schon an sich etwas Meditatives haben. Rund um Dillingen in Bayern laden jetzt am Rand diverser neuer Radwege auch sieben kleine Kapellen zur Einkehr ein. Sie haben verschiedene Autoren und entstanden zwischen 2018 und 2020.

Hinter dem Projekt Sieben Kapellen steht die Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung. 2016 errichtete der Unternehmer Siegfried Denzel aus Wertingen, das auch im oberschwäbischen Landkreis Dillingen liegt, mit seiner Ehefrau die Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung mit dem Zweck, Kunst, Geschichte, Kirche, Religion und Kultur zu fördern. Das Projekt orientiert sich an historischen Wegkapellen, die als religiöse Zeichen Maß und Orientierung gaben. Diese „geistliche Kartierung“ war Anregung für die sieben Kapellen. Die Zahl sieben bezieht sich auf die jüdisch-christliche Tradition (Tage der Schöpfung, Tugenden, Geistesgaben) und mag inhaltliche Anregungen geben.

Die Stiftung konnte für den Bau der Kapellen folgende Architekten gewinnen: Hans Engel, Augsburg, Wilhelm Huber, Betzigau, Alen Jasarevic, Mering, Frank Lattke, Augsburg, Prof. Christoph Mäckler, Frankfurt a.M., Prof. Volker Staab, Berlin, John Pawson, London. Es gelang, die Umsetzung der Idee innert erstaunlich kurzer Zeit zu vollziehen. Seit vergangenem Jahr sind alle sieben Kapellen fertiggestellt. Alle sind sie aus Holz, denn die Stifter hatten viele Jahrzehnte ein erfolgreiches Holzwirtschaftsunternehmen geführt und aufgebaut und gewünscht, dass die Radwegkapellen aus diesem Werkstoff bestehen.

(Fotos: Eckhart Matthäus © Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung)

Das regionale Reiseziel hat mittlerweile auch das Interesse der Süddeutschen Zeitung geweckt. Reporterin Evelyn Pschak von Rebay konnte feststellen, dass den sieben Kapellen „sehr unterschiedliche Ideen“ zugrunde liegen. Die „intelligente Schlichtheit“ sei aber allen gemein. „Im Innern findet man kein liturgisches Mobiliar, aber immer Holzpodeste zum Sitzen und auch ein Gästebuch.“ Außerdem widmet aktuell das Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg den sieben Kapellen eine Ausstellung. Sie dauert noch bis am 11. Juli 2021.

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