Savanne in Zürich

Manuel Pestalozzi
9. Juni 2020
Die Savanne beim Sagentobelbach befindet sich auf dem 47. nördlichen Breitengrad. (Foto © Zoo Zürich, Goran Basic)

Coronabedingt später als geplant, wurde am 6. Juni 2020 im Zoo Zürich die Anlage für Giraffen, Nashörner und weitere afrikanische Tiere eröffnet. Architektur und Landschaftsgestaltung imitieren fremde Gefilde.

Namenspate der „Lewa Savanne“ im Zoo Zürich ist die Lewa Wildlife Conservancy in Kenia, wo die gemeinnützige Aktiengesellschaft aus der Schweiz viel Gutes tut. Der neue Bereich entstand im Nordosten des Zürcher Zoo-Areals, auf einer noch unbebauten Wiese am Rand des tief ins Gelände eingeschnittenen Sagentobelbachs. Sie ist auf drei Seiten vom Zürichbergwald umgeben und senkt sich zum Glatttal hin ab. Unmittelbarer Nachbar ist der „Kaeng Krachan“-Elefantenpark mit dem imposanten Elefantenhaus von Markus Schietsch Architekten, dessen Landschaft eigentlich nahtlos in jene der neuen Kunst-Savanne übergeht.

Der Blick über das Zoogelände von Norden zeigt die neue Anlage mit dem benachbarten Elefantenpark. Am linken Bildrand ist die „Masoala“-Tropenhalle zu erkennen. Imitationen von Madagaskar, Ostafrika und Westthailand liegen wenige Schritte voneinander entfernt. (Foto © Zoo Zürich, Ruedi Abbühl)
Bäume, Felsen – und ein Coiffeursalon

Die Anlage ist als umfassendes Ostafrika-Erlebnis in Szene gesetzt: So wandelt das Publikum auch durch das Lewa-Dorf und kann dort eine Schule, einen Coiffeursalon und einen kleinen afrikanischen Flugplatz bewundern. Es erhält dort beispielsweise Informationen und Tipps, wodurch sich nachhaltiger Tourismus auszeichnet und worauf beim Reisen zu achten ist, damit lokale Bevölkerung und Tierwelt nicht unter den Gästen leiden, sondern möglichst von ihnen profitieren können.

Die Architektur von LP3 Architekten aus Regensberg ist sehr zurückhaltend und Teil der Landschaft. Auf der Website des Büros ist zu erkennen, dass die Räumlichkeiten für die Tiere sich als Felsen tarnen und teilweise von Dachmembranen überspannt werden. Diese Bauten leisten ihren Anteil an die Savannen-Illusion. Auch der große Baobab-Baum (oft Affenbrotbaum genannt) ist eine Attrappe aus Spritzbeton und raumhaltig. Er enthält Futter für die Tiere. Und die künstlichen Kopjefelsen am äußersten Rand des erweiterten Zooareals ist als Heimat der Stachelschweine und Hyänen hergerichtet. 

Hauptakteur war bei diesem Projekt das Landschaftsarchitekturbüro vetschpartner aus Zürich. Das Gestaltungsteam nutzte einen Geländesprung, der durch die leicht abfallende Anlage verläuft. Als Abbruchkante gestaltet, bildet er mal ihre Grenze, mal den erhöhten Weg, auf dem Besucher*innen durch die Savanne streifen – vorbei an den vielen Tieren, die jetzt angesiedelt wurden. Dann wieder ist der Abbruch spannende Ansicht und hier und da auch Tarnung: Wo er in eine Schlucht übergeht, wie sie auch in der Originallandschaft vorkommen könnte, ist das hohe Giraffenhaus in die künstliche Felslandschaft integriert. Vom Wasserloch, wo sich die Tiere zum Trinken und Baden sammeln, geht ein Wadi, ein vorwiegend trockener Bachlauf, aus. Wahrheit und Illusion verschränken sich völlig ungezwungen.

Das „Dorf“ mit dem Flugplatz grenzt die Savanne vom restlichen Areal ab. (Foto © Zoo Zürich, Ruedi Abbühl)

Wer schon lange mit dem Zürcher Zoo vertraut ist, aber eine Weile nicht mehr dort war, mag sich fragen, was denn mit dem alten „Afrikahaus“ geschehen ist. Der imposante Bau mit den zwei aufragenden Betonschalendächern im südwestlichen Teil des Zoos entstand von 1960 bis 1965 nach Plänen der Architekten Rudolf Zürcher sowie Esther und Rudolf Guyer. Er erhielt von der Stadt augenblicklich die Auszeichnung für gute Bauten und befindet sich heute im Denkmalschutzinventar. Im Gebäude sind bereits seit 2018 Koalas, Emus und Wallabys-Kängurus untergebracht und es ist Teil des Australien-Bereichs. Im Zoo kann aus Afrika im Handumdrehen Australien werden!

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