Rettungsaktion in Wartestellung

Elias Baumgarten
5. Februar 2019
So soll der Derzbachhof nach dem Umbau aussehen. Bild: Euroboden

Der Bayerische Architekt Peter Haimerl möchte ein historisches Bauernhaus in München retten und dafür einen Neubau auf das Grundstück setzen. Eine Anwohnerin macht sich mit einer Petition für den umstritten Vorschlag stark.

Forstenried liegt im Süden Münchens. Mitten im Quartier steht an der Hauptstrasse der Derzbachhof. Das 1752 errichtete Gebäude zählt zu den ältesten Bauernhäusern auf dem Gebiet der Bayerischen Landeshauptstadt. Seit mehr als drei Dekaden jedoch ist das denkmalgeschützte Haus ohne Nutzung und verfällt zusehends. Dagegen möchte Architekt Peter Haimerl etwas unternehmen: Er schlägt vor, den Hof in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und unter Erhalt der historischen Substanz zu sanieren, und Wohnungen für Familien einzubauen. Für den Vorschlag setzt sich nun Anwohnerin Antje Bulthaup ein. Sie hat eine Petition lanciert, die sie dem Bayerischen Landtag vorlegen will. Ziel ist, eine Bewilligung für Haimerls Konzept zu erwirken. Dieser setzt sich schon seit einiger Zeit für den Schutz historischer Gebäude und die Bewahrung von lokaler Bautradition in Bayern ein. So gründete er den Verein HAUS.PATEN BayerWald und feierte in 2009 seinen internationalen Durchbruch mit dem Umbau seines elterlichen Bauernhauses nahe Viechtach in Ostbayern.

Doch wieso bedarf es der Petition und ist das Projekt umstritten? Die nötigen Baumassnahmen am Derzbachhof würden in hohen Kosten resultieren. Darum spannt Haimerl mit dem Münchner Entwickler Euroboden zusammen. Gemeinsam wollen sie im hinteren Bereich des weitläufigen Grundstücks einen Neubau mit 16 Wohnungen realisieren, dessen Architektursprache Analogien zum Bauernhaus aufbauen soll. Die Einnahmen aus diesem Projekt könnten die Kosten decken, die entstünden, würde der alte Bau wieder flott gemacht. Doch gefällt diese Idee vielen Anwohnern nicht. Ihnen stösst die Architektur des Neubaus auf und sie fürchten eine Transformation des Quartiers. Besonders verärgert sie die geplante Tiefgarage, obschon diese mit einem versteckten Autolift statt einer grossen Einfahrt auskommen soll. Kritik gibt es überdies am Nutzungskonzept für den Hof selbst: Konservative Politiker wünschen sich ein Museum statt der Wohnungen. Ob das Projekt also umgesetzt werden wird, scheint derzeit ungewiss – auch wenn bereits über 70 Prozent der benötigen Unterschriften vorliegen.

Bild: Euroboden

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