Plusenergie-Feuerwache

Manuel Pestalozzi
14. November 2022
An der Katherinenstraße soll die Feuerwehr künftig unter dem Verwaltungsgebäude hindurch aus- und einrücken. (Visualisierung: Steimle Architekten GmbH)

Stuttgarts Feuerwache Süd, auch Feuerwache 1 genannt, befindet sich zwischen der Katharinen- und der Heusteigstraße in der Innenstadt. Das Hauptgebäude stammte ursprünglich aus dem Jahr 1888 und wurde nach dem 2. Weltkrieg wiederaufgebaut. Die Normen für die Feuerwehr und die Brandbekämpfung haben sich seither verändert, was auch die Tauglichkeit der bestehenden Bausubstanz beeinträchtigt. Mängel gibt es aus dieser Warte etwa bei den Durchfahrtsbreiten und -höhen, bei Stellplatzgrößen aber auch bei der Forderung nach einer durchgehenden Barrierefreiheit. Deshalb entschied sich die Stadt, einen einphasigen, nichtoffenen hochbaulichen Realisierungswettbewerb nach RPW 2013 für eine neue Gesamtanlage durchzuführen. Der Neubau soll außerdem den Plusenergiestandard erfüllen, also mehr Energie produzieren als er verbraucht.

Das Siegerprojekt schafft eine Hofsituation, welche sich dem Maßstab der Umgebung anpasst und das Feuerwehrareal klar eingrenzt. Auf dem Dach der Feuerwache an der Heusteigstraße befindet sich ein Sportplatz. (Foto: © pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH)
Holzbau über Sockelzone

Aus 15 fristgerecht eingereichten Arbeiten wurde der Beitrag der Steimle Architekten GmbH aus Stuttgart einstimmig zum Sieger erklärt. „Der prämierte Entwurf löst die Aufgabe sehr überzeugend durch die gelungene städtebauliche Anordnung und Wahrnehmung der Baukörper im Kontext zur Nachbarschaft“, kommentierte der Vorsitzende des Preisgerichts, Prof. Jens Wittfoht, die Eingabe. Für das Projekt sprachen auch seine Kompaktheit und der vergleichsweise geringe Bruttorauminhalt. Außerdem lässt es in den Augen der Stadt eine gute Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Betrieb erwarten.

Zwischen dem Verwaltungsgebäude an der Katharinenstraße und der Feuerwache mit den Garagen und Aufenthaltsräumen an der Heusteigstraße spannt sich ein Hof auf, der unter dem Verwaltungsgebäude hindurch erschlossen wird. Auf dem Niveau des zweiten Obergeschosses wird dieser Hof durch eine begrünte Plattform eingerahmt, die eine zweite Verbindungsebene zwischen den beiden Gebäuden schafft und auch als Aufenthaltsort im Freien dient. Über dieser massiven Sockelzone, die sich aus jenen der traditionellen Nachbargebäude ableitet, werden die zwei Baukörper in modularer Holzbauweise erstellt. Die Fassaden werden mit vertikalen Pfosten und horizontalen Riegeln, zurückgesetzten Brüstungsfeldern und Fenstern mit außen liegendem Sonnenschutz gegliedert – ganz ähnlich der Strukturierung der Bestandsbauten in der Umgebung. Man darf ein Bauensemble erwarten, welches das Stadtbild zeitgemäß ergänzt. Das Plusenergie-Ziel soll durch einen bescheidenen Verbrauch und Photovoltaik auf den Dächern erreicht werden. Vorgesehen ist ein Anschluss ans Fernwärmenetz. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für 2028 geplant. Während der Bauzeit wird die Feuerwache 1 interimsweise an der Paulinenbrücke untergebracht.

Der Innenhof der Anlage wird von einer begrünten Plattform auf dem Niveau des zweiten Obergeschosses eingerahmt. Die raumhaltige Fassade soll aus Recyclingstahl bestehen. (Visualisierung: Steimle Architekten GmbH)

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