Nicht komisch

Manuel Pestalozzi
9. Dezember 2019
Die Eingangsfassade der Komischen Oper Berlin ist ein Werk von Kunz Nierade. (Foto: Gunnar Geller)

Einmal mehr erreicht die Öffentlichkeit ein kritisches Votum von Architekt Stephan Braunfels zu einem Vorhaben in der Bundeshauptstadt. Diesmal geht es um die Sanierung und Erweiterung der Komischen Oper Berlin, die Vergabekammer hat nun geurteilt.

Die Komische Oper Berlin ist ein Opernhaus in der Behrenstraße im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) von Berlin. Gemäß de.wikipedia.org ist sie die kleinste der drei Berliner Opern und mit der Deutschen Oper, der Staatsoper Unter den Linden sowie dem Staatsballett Berlin und dem Bühnenservice Berlin Teil der Stiftung Oper in Berlin. Eine Besonderheit des Gebäudes ist die schlicht gestaltete Fassade, das moderne Foyer und die ebenfalls moderne Wandelhalle aus den Jahren des Wiederaufbaus der 1960er-Jahre, die im starken Gegensatz zum im Zweiten Weltkrieg weitestgehend unzerstörten neobarocken Innenraum stehen.

Architekt Stephan Braunfels, der eben in der Causa Kulturforum als Kritiker auftrat, ist insofern mit dem Bauwerk verbunden, als er sich vor rund 10 Jahren seines Foyers annahm. Als „bekennender Musiktheater-Liebhaber“ habe er einen „extrem kostengünstigen Entwurf“ geliefert, schreibt der Tagesspiegel, welcher sich zum Resultat geradezu euphorisch äußert: „Mit einem raffinierten Kunstgriff verschaffte er der nüchternen Pausenhalle aus den sechziger Jahren neue Eleganz.“

Umso grösser war die Empörung darüber, dass die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Sommer einen nichtöffentlichen Realisierungswettbewerb zur Sanierung der Komischen Oper ausschrieb und dafür 15 namhafte Architekturbüros einlud – nicht aber Braunfels. Auch als freier Teilnehmer (35 weitere Plätze) kam er nicht zum Zug. Der nächste Schritt von Braunfels war ein Einspruch gegen das Verfahren wegen mangelhafter Gleichbehandlung der Antragsteller. Womit wir in der Gegenwart angelangt sind: Stephan Braunfels bekam von der Vergabekammer des Landes Berlin Recht. „Zeitnah“ soll nun ein offener Realisierungswettbewerb beginnen, erklärte gemäß Süddeutsche Zeitung eine Sprecherin der Senatsbauverwaltung.

Wieder gerät ein Wettbewerbsverfahren für ein prominentes Sanierungs-Vorhaben wegen Mängeln ins Rampenlicht. Das schadet dem Ansehen des Verfahrens an sich und ist wohl auch der Reputation des Berufsstandes nicht eben förderlich.

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