Neugestaltung des Karlsruher Landratsamts

Manuel Pestalozzi
5. Juli 2021
Die Bestandsgebäude des Landratsamt-Hauptsitzes sollen durch zeitgemäße Bauten ersetzt werden. (Visualisierung: wittfoht architekten bda)

Der Wettbewerb um die Neugestaltung des Landratsamtsareals in der Beiertheimer Allee hat vier Preisträger und zwei Anerkennungen hervorgebracht. Der funktionale Entwurf von wittfoht architekten mit zwei Hochpunkten erhielt den ersten Preis.

Am 22. November 2018 hatte sich der Kreistag des Landkreises Karlsruhe dafür ausgesprochen, die Bestandsgebäude des Landratsamt-Hauptsitzes in der Beiertheimer Allee 2 in Karlsruhe durch zeitgemäße Bauten zu ersetzen, nachdem sich der Gebäudebestand als nicht sanierungsfähig erwiesen hatte. Die städtebaulichen Rahmenbedingungen waren 2020 in einem Werkstattverfahren zusammen mit der Stadt Karlsruhe erarbeitet worden. Dieses bildete die Grundlage für das laufende Bebauungsplanverfahren der Stadt Karlsruhe. Am nicht offenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil beteiligten sich zehn gesetzte Teams, weitere 25 Teilnehmer wurden im Auswahlverfahren festgelegt und durch Los bestimmt. 29 nationale und internationale Architekturbüros und Landschaftsarchitekten haben sich letztlich mit Entwürfen beteiligt.

Der Haupteingang des neuen Gebäudekomplexes ist im siegreichen Projekt zum Stadtzentrum orientiert. (Visualisierung: wittfoht architekten bda)

Das Nutzungskonzept sah neben dem Landratsamt auch Seminar- und Konferenzflächen für die Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW-Akademie), die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Karlsruhe (VWA) sowie Flächen für eine betriebsärztliche Praxis und eine Kindertagesstätte vor. Dafür war eine Mindest- Bruttogeschossfläche von ca. 25'000 m² zu schaffen. Im zusätzlichen Ideenteil, der ein ergänzendes Bauvolumen von 15'000 bis 35'000 m² Bruttogeschossfläche umfassen durfte, sollten auf Grundlage einer angemessenen Ausnutzung des Wettbewerbsgrundstückes darüber hinaus in einem zweiten oder gegebenenfalls dritten Bauabschnitt weitere Verwaltungs- und Wohnbauflächen in Mischnutzung vorgeschlagen werden.

(Lageplan: wittfoht architekten bda)

Das siegreiche Projekt von wittfoht architekten bda, Stuttgart, mit lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner GmbH, München, schlägt einen Langbau als Hauptbaukörper entlang der Kriegsstraße vor. Er ist als ein Dreibund mit einem mittleren, großzügigen Foyer konzipiert. Diese Anordnung wird konsequent von Westen nach Osten geführt und ordnet die großzügigen Eingangsbereiche für das LRA von Osten und für die anderen Büronutzungen von Westen zu. Ein rund 90 Meter aufragendes Hochhaus nimmt die Lage des heutigen Hochpunktes ein, das Volumen wird jedoch in seinen Abmessungen der Grundfläche vergrößert. Die Jury hat diese Erscheinung kritisch und kontrovers diskutiert – eine grazilere Ausformung wird ausdrücklich gewünscht. Entlang der Badenwerkstraße schließt ein weiterer fünfgeschossiger Gebäuderiegel das Grundstück ab, der seinen Hochpunkt im südlichen Teil des Grundstücks mit einer 40 Meter hohen Wohnbebauung hat. Damit ist das Thema Wohnen in den Augen der Jury räumlich-funktional der Nachbarbebauung sinnvoll zugeordnet.

Der Fernblick vom Schlossturm zeigt, wie sich die neuen Hochhäuser des Siegerprojekts in die Skyline der Stadt einfügen (in der rechten Bildhälfte erkennbar). 

Ausschlaggebend für die Wahl dieses Entwurfes war neben den funktionalen Grundrissen und der architektonischen Qualität auch, dass er bereits in einem ersten Bauabschnitt mehr Flächen verfügbar macht, kommentierte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel an einem Presseanlass den Entscheid für das Siegerprojekt. Damit könne das Grundstück besser ausgenutzt werden. Zwar erhöhe sich dadurch die Investitionssumme, es bringt im Hinblick auf eine erhöhte Refinanzierung durch weitere, langfristige externe Nutzer aber Vorteile. Baustart soll nach Aussage von Landrat Schnaudigel im Jahr 2024 sein, berichtet ka-news.de, gerechnet wird mit einer Bauzeit von fünf Jahren. Die Kosten für das Landratsamt belaufen sich nach aktuellen Schätzungen auf zwischen 150 Millionen und 200 Millionen Euro.

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