Neue Energie?

Ulf Meyer
2. November 2020
Foto: Ralph Richter, HPP Architekten

Der erste Bauabschnitt des RWE-Campus in Essen ist fertig. Das Projekt soll die Neuaufstellung des Traditionsunternehmens repräsentieren. Doch die Anlage zeigt sich weder architektonisch noch in Sachen Nachhaltigkeit besonders ambitioniert.

Der Energiekonzern RWE hat seit seiner Gründung 1898 Höhen und Tiefen durchlebt, und es scheint, als würde sich das auch in seinen Bauprojekten widerspiegeln. Einst war der RWE-Turm in Essen, der für Christoph Ingenhoven den ersten großen Erfolg markierte, eine der teuersten und vor allem ambitioniertesten Konzernzentralen ihrer Zeit. Aber die Energiewende hat dem Unternehmen zuletzt wirtschaftlich zugesetzt. Der neue RWE-Campus, ebenfalls in Essen, soll die „Neustrukturierung des Konzerns repräsentieren und die Veränderung spürbar werden lassen“, so das verantwortliche Architekturbüro HPP aus Düsseldorf. Künftig werden dort rund 3'000 Menschen in den Bereichen Stromerzeugung und -handel arbeiten.

Foto: Ralph Richter, HPP Architekten

Dass der Bauherr mehr auf Wirtschaftlichkeit setzte denn auf ökologische Pionierbauten, verrät schon die Tatsache, dass kein reiner Architektur-, sondern ein Investorenwettbewerb zum Bau ausgelobt wurde. Die Immobilienfirma Lang & Cie. Rhein-Ruhr aus Köln setzte sich zusammen mit HPP bei der Auftragsvergabe durch. Auch für den bereits im Bau befindlichen zweiten Abschnitt, der im März 2021 fertig werden soll, wurde HPP beauftragt. 

Foto: Ralph Richter, HPP Architekten

Nachdem ihr Büro einige der bekanntesten Konzernzentralen der Bundesrepublik entworfen hat, war der Auftrag für die Routiniers von HPP keine besondere Herausforderung. Sie gestalteten drei quadratische, viergeschossige Baukörper. Diese ergänzen die bereits bestehenden Gebäude des Konzerns zu einem Campus. Das Zentrum der Anlage bildet ein grüner Platz. Ein viertes Objekt (Bauabschnitt 2) soll im kommenden Jahr stehen. Auch dieses wird in Modulbauweise erstellt. 

Das Hauptaugenmerk legten die Architekten nach eigener Aussage darauf, angenehme Arbeitswelten und Außenräume mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Die Verwendung von Backstein für die Fassaden spielt auf die ehemals industrielle Nutzung des Geländes an. Eine gläserne Passage verbindet die Neubauten miteinander sowie mit dem Bestandsgebäude und umschließt einen Vorplatz. Weder architektonisch noch technisch zeigt der Entwurf besondere Ambitionen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit. Allein die Innenarchitektur soll durch das Gestaltungskonzept die Corporate Identity widerspiegeln – mit begrünten Wandflächen. 

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