Nachhaltiger Temporärbau

Ulf Meyer
23. März 2021
Die Obergeschosse werden mit farbigem Glas verkleidet (Visualisierung: Sauerbruch Hutton)

Deutschland leistet sich eines der größten Parlamente der Welt und wegen der Überhangs- und Ausgleichsmandate ist die Anzahl der Abgeordneten explodiert. Trotz dieser Verschwendung von Steuergeld sind besonders die beiden GroKo-Parteien hartnäckig unwillig, das Wahlrecht entsprechend zu ändern. Obwohl in Berlin schon ganze Straßenzüge von Bürohäusern für MdBs umstanden werden, reicht ihr Platzangebot für die Abgeordneten-Schwemme nicht aus.

Pünktlich zur Bundestags-Wahl im September soll deshalb in Windeseile ein Interims-Gebäude gebaut werden, in dem die Volksvertreter arbeiten können. Da der Bund als Bauherr nicht für Termin- und Budget-Treue bekannt ist, hat der Bauherr in diesem Fall seine Verantwortung auf zwei private Firmen abgewälzt: Die Firma „Kaufmann Bausysteme“ aus Österreich und den Immobilienentwickler „PRIMUS“ aus Hamburg. Sie hatten sich im Vergabeverfahren durchgesetzt und errichten in Berlin-Mitte nun westlich der Luisenstraße eilig ein Bürogebäude in Modulbauweise. Als Generalübernehmer/-unternehmer verantwortet die Bietergemeinschaft alle Planungs-, Herstellungs- und Bauleistungen. Vorgaben zur Bauweise wurden bei der Ausschreibung nicht gemacht. Aber um das Bauvorhaben in der Frist umsetzen zu können, lag die Modulbauweise nahe. 

Der Neubau nach Plänen von Sauerbruch Hutton aus Berlin mit 400 Büros auf sieben Etagen wird aus Holz-Modulen errichtet und soll schon Ende des Jahres fertiggestellt sein. Der H-förmige Grundriss orientiert sich an der Kammstruktur des benachbarten Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses von Stephan Braunfels aus München. Zu dessen Kahn’schen Sichtbeton-Architekturen steht der Entwurf allerdings in größtmöglichem Kontrast. Eine Glasfassade nach Norden dient als Schallschutz zur S-Bahntrasse und bildet zwischen den Gebäudeflügeln einen begrünten Aufenthaltsbereich. 

Das Vollholz soll in den Büros sichtbar bleiben, die Fassaden werden aber mit farbigem Glas verkleidet. Jedes Modul erhält im Werk ein Fenster mit Festverglasung und Öffnungsflügel. Metallverkleidungen sowie die Fassadenelemente werden nach der Montage der Module in Halterungen eingehängt. Während im Werk in Berlin-Köpenick die Holzmodule produziert werden, beginnt der Bau von Erdgeschoss und Atrium.

Das Schema soll den hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe verdeutlichen (Grafik: Sauerbruch Hutton)

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