Mendelsohn, Sawade, Barkow Leibinger

Carsten Sauerbrei
24. Juli 2018
1928 als Universum-Kino und Teil des WOGA-Komplexes von Erich Mendelsohn erbaut, residiert seit 1981 die Berliner Schaubühne im denkmalgeschützten Gebäude. (Bild: © Simon Menges, Berlin)

Als Kino von Erich Mendelsohn 1928 errichtet, 1978 bis 1981 zum Theater umgebaut durch Jürgen Sawade - die Berliner Schaubühne hat eine lange Architekturgeschichte. Das Berliner Büro Barkow Leibinger gestaltete nun den Eingangsbereich behutsam neu.

Mit dem Umbau des denkmalgeschützten Foyers in diesem Frühjahr schufen Barkow Leibinger ein großzügiges neues Kassenfoyer mit kleinem Büro und gestalteten das bestehende Kassenhaus zu einer offenen Bar um. Beim Entwurf des neuen Kassenfoyers griffen die Architekten eine Idee auf, die Jürgen Sawade für ein an dieser Stelle geplantes, jedoch nie realisiertes Restaurant entwickelt hatte: Ein zentrales, lang gestrecktes Möbel mit offenem Kassentresen und Sitzbank folgt der geschwungenen Geometrie des Gebäudes.

Das neue Kassenfoyer prägt vor allem der zentrale, lang gestreckte Tresen aus homogen weißem Mineralwerkstoff. (Bild: © Simon Menges, Berlin)

Gegenüber vom neuen Kassentresen platzierten Barkow Leibinger flache Sitzbänke in den Fensternischen zum angrenzenden Kurfürstendamm. Die Architekten führen mit ihrer Entscheidung für einen homogen weißen Mineralwerkstoff das charakteristische Erscheinungsbild der Innenräume seit dem Umbau durch Jürgen Sawade fort und schaffen mit braunen Lederkissen auf den Sitzelementen einen belebenden Kontrast dazu. Messing-Downlights setzen zusätzliche farbige Akzente, die wie die Lederkissen gut zum Farbspektrum des erhalten gebliebenen, originalen Naturstein-Bodenbelags aus Solnhofener Platten passen.

Das einst durch den Architekten Jürgen Sawade 1981 beim Umbau zum Theater eingefügte, geschlossene Kassenhaus bauten Barkow Leibinger zum offenen Tresen um. (Bild: © Simon Menges, Berlin)

Das einst zylinderförmige Kassenhaus aus dem Jahr 1981 wird nach dem Umbau als Bar und Verkaufsstelle für Publikationen genutzt. Dazu ließen Barkow Leibinger die umlaufende Verglasung entfernen, sodass ein offener, runder Tresen entstand. Unter einer organisch geschwungenen Arbeitsfläche schufen sie mit passgenauen Einbauten Stauraum für Kühlschränke und Technik. Auch hier setzen Barkow Leibinger den gleichen weißen Mineralwerkstoff und weiß lackiertes Metallblech wie schon beim Kassentresen ein und ergänzen diese Materialien durch zum Bestand passendes, poliertes Messingblech. Die charakteristischen, außenseitig umlaufenden Radiatoren des Bestands ließen sie zudem durch neue, im Ursprungsdesign ersetzen.

Braune Lederkissen und Messing-Downlights korrespondieren mit den Bestandsmaterialien Solnhofener Platten und poliertes Messingblech. (Bild: © Simon Menges, Berlin)

Einen neuen Akzent setzen Barkow Leibinger mit einem kreisförmigen Lichtsegel aus Acrylglas, das wie eine kristalline Wolke über der Bar schwebt. 835 einzelne Röhren sorgen für eine vielfache Lichtbrechung und damit für eine atmosphärische Beleuchtung. Transparenz und Einfachheit zeichnen das neue Lichtelement aus, das sich an die bestehende Formensprache anlehnt und damit auch gut in die neue Raumgestaltung einfügt. Mit dem Umbau des Kassenhauses zur Bar öffnen Barkow Leibinger die Eingangshalle räumlich zur Umgebung und stärken damit die Übergänge zwischen dem Inneren des Hauses und dem Außenraum.

Aus 835 Acrylglasröhren besteht das neue Lichtsegel über dem nach dem Umbau als Bar und für den Verkauf genutzten Tresen in der Eingangshalle. (Bild: © Ina Reinecke/Barkow Leibinger, Berlin)

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