Mehr Verzögerungen beim Jüdischen Museum Köln

Manuel Pestalozzi
4. Januar 2022
Das Museum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln“ entsteht am Kölner Rathausplatz. (Visualisierung: © Wandel Lorch Architekten)

Kölns Weg zum „MiQua“ ist beschwerlich. Der Fertigstellungstermin musste schon in der Vergangenheit zweimal verschoben werden. Jetzt zog die Stadt beim Vertragsverhältnis mit einem beteiligten Stahlbauunternehmen die Notbremse. 

Der Museumsname „MiQua“ ergibt sich aus der Kürzung der Worte „Museum im Quartier“ – wobei auch die Nähe zum Begriff „Mikwe“ kein Zufall und gewollt ist. Denn das Museum macht in seinem unterirdischen Bereich ein einstiges Ritualbad von Kölns jüdischer Gemeinde zugänglich. Die Mikwe unter dem Rathausplatz gilt weltweit als eines der am besten erhaltenen Ritualbäder aus dem Mittelalter. Das Bauprojekt stammt vom Büro Wandel Lorch aus Saarbrücken, das 2008 den internationalen Architekturwettbewerb für dieses Vorhaben gewann.

Wie der eigens für das Projekt eingerichtete „MiQua“-Blog dokumentiert, sind die Bauarbeiten schon fortgeschritten. Baustellenfotos aus dem Jahr 2021 lassen die Umrisse des oberirdischen Gebäudeteil bereits erkennen. Doch leider ist der weitere Fortschritt beschwerlich. So machte die Stadt Köln am vergangenen 27. Dezember in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie sich kurzfristig vom beauftragten Stahlbauunternehmen trennt. Stetige Unzuverlässigkeit, wiederholte Terminüberschreitungen und überzogene Nachforderungen ließen der Stadt keine andere Möglichkeit, heißt es. Es scheint der Kulminationspunkt einer längeren Auseinandersetzung erreicht worden zu sein; trotz eines im März 2020 gefundenen Kompromisses seien immer neue finanzielle und terminliche Zugeständnisse eingefordert worden, beklagt sich die Stadt. Mit der Trennung sei finanzieller Schaden von der Stadt Köln und allen Steuerzahler*innen abgewendet. Zum weiteren Baufortschritt könnten noch keine verbindlichen Angaben gemacht werden. 

Das Projekt war schon zuvor ein Sorgenkind. Die Beteiligten mussten sich mit Kampfmittelfunden im Baugrund, zwischenzeitlich erhöhten Anforderungen an die Sicherheit im Eingangsbereich des Museums und damit zusammenhängenden Umplanungen und Terminverzögerungen bei den Rohbauarbeiten auseinandersetzen. Auch neue und wertvolle archäologische Befunde in unerwarteter Lage im Ausstellungsbereich haben mehrfach den Baufortschritt gehemmt. Sie stellen aber auch eine Bereicherung der künftigen Schätze des Museums in Aussicht. Es ist zu wünschen, dass schnell eine einvernehmliche Lösung für die Fertigstellung dieses interessanten Projekts im Zentrum der Rheinstadt gefunden wird.

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