Mehr Platz für Heidelbergs Hauptbahnhof

Manuel Pestalozzi
25. Oktober 2021
Der Bahnhofplatz von Heidelberg soll entrümpelt werden, seinen Charakter aber weitgehend behalten. Westlich der Empfangshalle entstehen ein Ersatzneubau und eine weitere Freifläche. (Visualisierung: DB Station&Service AG)

2026 will die Deutsche Bahn mit dem Umbau des Hauptbahnhofs Heidelberg, einem bedeutenden Kulturdenkmal der Nachkriegszeit, beginnen. Die Architekt*innen der Deutschen Bahn präsentierten dem Gestaltungsbeirat der Stadt ihr Vorhaben. Dieser hat einige Vorbehalte.

Der 1955 eingeweihte Hauptbahnhof von Heidelberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an einem neuen Standort errichtet, weit westlich der Altstadt und dem Standort des früheren Kopfbahnhofes. Im Denkmalbuch des Regierungspräsidiums Karlsruhe wird er als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ nach §12 Denkmalschutzgesetz geführt.  Zuständig für den Neubau war Helmuth Conradi (1903–1973), damals Direktor der zuständigen Bundesbahndirektion Stuttgart.

Durch die neue Lage an der städtischen Peripherie musste die Bahnhofsanlage eine städtebaulich noch unstrukturierte Umgebung formen und gleichzeitig den Bahnhof mit der Stadt verbinden. So kann man es in einem Artikel von Roland Feitenhansl in „Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3 | 2010“ nachlesen. Die Abwinkelung und Ausrichtung der Empfangshalle auf die Kurfürstenanlage erklärt sich als neu geschaffene Verbindung zur Stadt. Die nüchterne, zurückhaltende Sachlichkeit der hellen, gut belichteten Anlage mit ihrer breiten Bahnsteigbrücke prägt den Bahnhof an seinem ausgedehnten Platz bis heute. Die Website Epoche 3 erläutert seine Entstehung mit historischem Fotomaterial ausführlich.

Auch die Erneuerung erfolgt unter der Regie der Deutschen Bahn. Bei der Vorstellung des Projekts in der Presse spielen die eingemieteten Läden und Lokale eine wichtige Rolle. Der hinter der Eingangsfront der Empfangshalle liegende Westflügel mit dem „Burger King“ soll abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Der über einem scharnierartigen Treppenturm mit der Empfangshalle verbundene, parallel zum Gleisfeld verlaufende Ostflügel mit dem „McDonald‘s“ bleibt stehen, erklärt das Portal Heidelberg 24 seinen Leser*innen das Projekt. In das Hauptgebäude werde ein Supermarkt einziehen, die schon bestehenden Geschäfte sollen bleiben. Das vielen bislang unbekannte Untergeschoss wird mit Rolltreppen erschlossen. Die dort offenbar seit langen ungenutzten Räume sollen weitere Läden und Schließfächer aufnehmen.

Mit diesen Maßnahmen möchte der Hauptbahnhof dem neuen Europaplatz mit seinem Hotelhochhaus gerecht werden. Die heute vor der Empfangshalle abgestellten Fahrräder sollen in den eigens für sie vorgesehenen Garagen verschwinden. Im Norden des Hauptbahnhofs, gegenüber dem F+U-Campus, wurden kürzlich die Grundsteine für gleich zwei weitere neue Hotels gelegt. Gebaut werden das Intercity-Hotel und das Adagio Aparthotel von der Unternehmensgruppe GBI-Entwicklungsgesellschaft aus Frankfurt am Main, wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet. Beide Hotels sollen bereits im Jahr 2023 bezugsfertig sein.

Gemäß der RNZ betonte Markus Neppl, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats von Heidelberg, dass der Bahnhofsumbau grundsätzlich eine positive Entwicklung sei. Er forderte für das Projekt jedoch „Respekt vor dem Kulturdenkmal“. Kopfzerbrechen bereiten vor allem die Pläne der Bahn-Architekt*innen zum Westflügel. „Es schüttelt mich schon ein bisschen“, zitiert die RNZ das Beiratsmitglied Gerd Gassmann, ein Architekt, zum neuen Bautrakt, der bei der Präsentation der Bahn im Rathaus höher und wuchtiger als das Hauptgebäude wirkte.

Der neue Westtrakt ist deutlich größer als sein Vorgänger. Dieser Teil des Projektes löst Kritik aus. (Visualisierung: DB Station&Service AG)

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