Zwei Bürohäuser komplettieren die OSRAM-Höfe an der Berliner Seestraße

Leuchtdraht im Wedding

Ulf Meyer
17. März 2021
Straßenfassade (Foto: Klemens Renner)

Die Osram-Höfe sind nicht nur ein interessanter Teil der Industriebaugeschichte von Berlin-Wedding, sie sind auch bis heute ein belebter und beliebter Gewerbestandort in dem proletarisch geprägten Bezirk im Norden der Hauptstadt. Zwei Neubauten schließen eine Baulücke im „Forum Seestraße“, wie die Anlage heute heißt.

Seit 1904 wurden im Berliner Bezirk Wedding Glühlampen produziert. Nach der Übernahme eines kleineren Wettbewerbers durch den Osram-Konzern im Jahr 1935 wurde der Weddinger Produktionsstandort zu einem der größten Glühlampenwerke Europas. 1997 kaufte die THG-Immobilien-Verwaltung die Gebäude und baute sie zu Büros und Geschäften um. Während der erste Bauabschnitt der Gewerbehöfe von den Architekten Enders und Schirop von 1910 noch für Labore und Verwaltung intendiert war, hatte erst der Erweiterungsbau von Enders in einem zweiten, angrenzenden Baublock die Logik und den architektonischen Ausdruck innerstädtischer Fabrikbauten gezeigt, wie er für Berlins Arbeiterbezirke typisch wurde. Das gilt auch für die zweite große Erweiterung der Fabrik-Anlage durch den Architekten Waldemar Pattri von 1937. Alle Relikte der drei Bauphasen der Höfe stehen unter Denkmalschutz.

 Alt- und Neubauten als Gegenüber im Innenhof (Foto: Klemens Renner)
Von den Dachterrassen fällt der Blick auf den Wedding (Foto: Klemens Renner)

Nach Entwurf von Sergei Tchoban wurden die beiden ergänzenden, neuen Bürogebäude an der Seestraße 66-67 mit unterschiedlichen, beige-bunten Backsteinfassaden verkleidet. Die gleichgroßen Neubauten mit je sieben Etagen haben Skelette aus Stahlbeton und tragende Fassaden. Über einem zweigeschossigen Sockel liegen drei Hauptgeschosse und darauf zwei Dach-Etagen, die mit Titanzink verkleidet wurden. Der Nachbarbau hat ein Hauptgeschoss mehr und Segmentbogen-Fenster. Die Neubauten passen sich architektonisch an ihre gelben Klinker-Nachbarbauten an, auch wenn sie – anders als jene – nicht zur industriellen Produktion bestimmt sind, sondern für Büros. Die großen Fenster, die Ziegelfassaden, die Bauhöhen und auch die loftartigen freien Grundrisse sind Elemente, die die beiden Neubauten von ihren Vorgänger-Gebäuden übernahmen.

Rückwärtige Fassade (Foto: Klemens Renner)
Foto: Klemens Renner

Andere Artikel in dieser Kategorie