Kuren im Gebirge

Carsten Sauerbrei
26. Juni 2017
Neben dem historischen Kurhaus ragt das neue Kurbad wie ein Felsen auf. Bild: Constantin Meyer

Das neue, Anfang Mai im oberfränkischen Bad Alexandersbad eröffnete Kurbad gestalteten Brückner & Brückner Architekten Tirschenreuth I Würzburg nach dem Vorbild eines schroff aufragenden Granitfelsens.

Der kleinste bayrische Kurort Bad Alexandersbad, mitten im Fichtelgebirge gelegen, besitzt eine lange Tradition des Kuren, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. 2008 jedoch stand die 1000- Einwohner-Gemeinde vor der Entscheidung, entweder das Heilbad aufzugeben oder die in die Jahre gekommenen Kur-Einrichtungen zu modernisieren und zu erweitern. Teil der darauf folgenden, grundlegenden Umgestaltung des Ortes war 2014 der Abriss eines 40 Jahre alten Bäderhauses und die zuvor getroffene Entscheidung für einen modernen Neubau durch Brückner & Brückner Architekten Tirschenreuth I Würzburg an gleicher Stelle.

Das Foyer als «Gläserne Mitte» zwischen Alt und Neu überzeugt mit reizvollen Formkontrasten und attraktiven Materialkombinationen. Bild: Constantin Meyer

Wie einer der Granitfelsen des Fichtelgebirges oder wie eine Addition einzelner steinerner Skulpturen sollte das neue Gebäude wirken, so beschreiben die Architekten ihre Konzept. Und tatsächlich ragt der neue Baukörper, dessen grober mineralischer Putz mit Granitsplittern versetzt wurde, schroff neben dem historischen Kurhaus von 1838 auf und wirkt mit seinen großen geschlossenen Wandflächen eher unzugänglich und abweisend. Komplett transparent gestalteten die Architekten dagegen den gläsernen Eingangsbereich zwischen Bestand und Neubau. 

Die Architektur der Bäderbereiche gibt Geborgenheit und ermöglicht dennoch weite Ausblicke. Bild: Constantin Meyer

Der wenig einladende Eindruck verschwindet schnell im Inneren des Gebäudes. Schon das Foyer überzeugt mit der reizvollen Kombination von minimalistisch schwarzen Flächen und eleganten Lichtelementen im Kontrast zu historischer Fassade und altem Heilwasserbrunnen. In den Therapieräumen, den drei Schwimmhallen und weiteren Räumen wie Saunen, ermöglichen die großen, geschlossenen Wandflächen des Baukörpers Rückzug und Schutz vor Einblick. Glasfugen und -schlitze in Dach und Wänden sorgen gleichzeitig für das Gefühl von Freiheit, Aus- und Weitblick.

Im gesamten Gebäudeinneren finden sich hochwertige Oberflächen und spannende Materialkontraste. Bild: Constantin Meyer

Auch die im Außen wenig attraktive Kombination von hellbeigem Putz und Glas weicht im Inneren einer Fülle reizvoller Materialien und Oberflächen: Spachtelungen in den verschiedensten Tönen von Hellbeige bis Anthrazit, dazu passende Keramik- und Steinoberflächen und in den Saunabereichen warme Holzverkleidungen. Einen attraktiven Kontrast dazu bilden das Blau des Wassers oder das des Himmels, aber auch metallene Elemente wie Fensterrahmen, Schwimmbecken oder auch Kamine. Das neue Kurbad, inspiriert vom Gebirge, gibt durchaus Geborgenheit und bietet eine hohe Architektur- und Aufenthaltsqualität, sofern man es erst einmal betreten hat. 

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