Wohnungsbau von Stefan Forster Architekten

Klinker ersetzt Klinker

 Carsten Sauerbrei
30. April 2018
Der Neubau «Klinkebogen» orientiert sich in Materialität und Formensprache stark am abgerissenen Vorgänger und wirkt dennoch zeitgenössisch. (Bild: Max Hampel)
Überzeugend vermitteln Stefan Forster Architekten, Frankfurt/Main mit dem Düsseldorfer Wohnungsbau «Klinkebogen» zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Besonders erfreulich ist die hochwertige Ausführung des Neubaus trotz günstiger Mieten.
Anfang April feierte die Düsseldorfer Wohnungsbaugenossenschaft WOGEDO die Fertigstellung ihres Neubauprojekts «Klinkebogen», entworfen von Stefan Forster Architekten, Frankfurt/Main. Innerhalb von zwei Jahren entstanden damit im Stadtteil Unterrath ein Hauptgebäude mit 59 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen und zwei Stadthäuser mit je 119 m² Wohnfläche. Die Neubauten ersetzen einen Bestandsbau gleicher Größe und ähnlicher Anmutung vom Anfang des letzten Jahrhunderts, der laut Genossenschaft nicht mehr wirtschaftlich vertretbar zu sanieren war und daher abgerissen wurde.
Mit Giebeln, Erkern, Vor- und Rücksprüngen gliedern und rhythmisieren die Architekten die stark plastisch wirkende Straßenfront. (Bild: Max Hampel)
Mit ihrem Entwurf, der sich in Formensprache und Materialität stark am Vorgängerbau orientiert und gleichzeitig seine Zeitgenossenschaft nicht verleugnet, setzten sich Stefan Forster Architekten bereits 2013 gegen drei Konkurrenten in einem kooperativen Gutachterverfahren durch. Nach ihren Plänen entstand damit ab 2016 ein Baukörper, der mit einer differenzierten Höhenentwicklung zwischen drei und fünf Vollgeschossen, dem lang gestreckten Satteldach und den Treppengiebeln an den niedrigeren Kopfseiten sensibel auf die unterschiedlichen Dimensionen des städtischen Kontexts reagiert.
Ruhiger und stärker horizontal ausgerichtet als die Straßenseite erscheinen die Hoffassaden. (Bild: Max Hampel)
Die Straßenfassaden gliederten und rhythmisierten Stefan Forster Architekten über die gesamte Länge des Neubaus mit Risaliten und Erkern und fassen mit einem gemeinsamen Klinkersockel Haupthaus und Stadthäuser zusammen. Mit versetzt angeordneten Klinkerlagen im Sockelbereich und einer Grenadierschicht über den Fenstern unterstreichen sie zusätzlich die Plastizität auf der Straßenseite. Im Kontrast dazu zeigen die vorwiegend Weiß gehaltenen Fassaden der Seitenflügel und der Hofseite eine zurückhaltendere Gestaltung und stärker horizontale Ausrichtung.
Die neue Klinkerfassade (links) wirkt wie eine moderne Variation ihres Vorgängers (rechts). (Bild: Max Hampel)
Den Architekten gelang es mit dem «Klinkebogen» überzeugend, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln und preisgünstige Mietwohnungen in einer hochwertigen Ausführung zu realisieren. Eine Vollklinkerfassade sucht man in diesem Segment leider häufig vergeblich. Entsprechend groß war die Nachfrage und entsprechend schnell waren die ab 9,20 €/m² Kaltmiete angebotenen Wohnungen schon vor Fertigstellung komplett vergeben.

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