Kampnagel-Generalsanierung mit Lacaton & Vassal

Manuel Pestalozzi
9. Mai 2022
Das Kampnagel-Areal setzt sich aus Bauwerken zusammen, die aus verschiedenen Epochen stammen. Teilweise sind sie denkmalgeschützt. Projektillustrationen wurden bisher keine veröffentlicht. (Foto: Claire10raison/Wikimedia Commons)

Das internationale Produktionshaus widmet sich der Kultur und ist in einer einstigen Hafenkranfabrik in Hamburg-Winterhude untergebracht. Kampnagel war der Name des Unternehmens, das ab 1875 am schiffbaren Unterlauf der Osterbek tätig war, der Übergang von der industriellen zur kulturellen Produktion fand Anfang der 1980er-Jahre statt. Nun soll in die Anlage investiert werden: Schon Ende 2019 hatte der Bund beschlossen, die Sanierung Kampnagels mit bis zu 60 Millionen Euro zu unterstützen, die in gleicher Höhe von der Stadt kofinanziert wird. Ziel der umfangreichen Modernisierung ist es, das internationale Produktionshaus als „weltweit renommiertes Zentrum für aktuelle Kunst unterschiedlicher Sparten“ auch architektonisch grundlegend weiterzuentwickeln. Anlässlich der Entscheidung für das Projekt des Teams aus Frankreich hat sich am 5. Mai Kulturstaatsministerin Claudia Roth nach Hamburg begeben, um es zusammen mit Kultursenator Carsten Brosda „vorzustellen“. Die Anführungszeichen müssen hier verwendet werden, da in den offiziellen Medienmitteilungen nichts Konkretes bekannt wurde. Illustrationen des Projektes wurden ebenso wenig zur Verfügung gestellt wie nähere Angaben zu baulichen Interventionen oder eine Begründung für diese Zurückhaltung.

Nach der Konzeptstudie das Projekt

Bekannt ist, dass sich Lacaton & Vassal, die 2017 ein Wettbewerbs-Projekt für den Campus Altona eingereicht hatten, schon länger mit dem Kampnagel-Areal auseinandersetzen: In einer Konzeptstudie entwickelten sie 2019 Ideen für den Um- und Ausbau der zum Teil denkmalgeschützten Gebäude und das Gelände. Sie prüften damals die Machbarkeit der Weiterentwicklung im Bestand und schufen ein Konzept, auf deren Grundlage die ausführende Sprinkenhof GmbH eine europaweite Ausschreibung im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens für die Planungsleistungen durchführen konnte. Neben den Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten im Bestand sah das Konzept auch den Neubau von zwei Gebäuden auf dem Gelände vor. In ihnen sollen unter anderem zusätzliche Proberäume und temporäre Künstlerwohnungen entstehen, sodass künftig Gästen aus der ganzen Welt günstige und produktionsnahe Unterbringung geboten werden kann. Auch wurde eine Öffnung der Hallen zum Stadtteil und der während des Sommerfestivals bereits als „Avant-Garten“ genutzten Flächen zum Osterbekkanal ins Auge gefasst.

Nun ist klar, dass die Verfasser der Konzeptstudie auch mit der Planung des konkreten Projekts betraut werden, im Rahmen einer ARGE mit der LV Baumanagement AG. Die Umsetzung soll ab 2025 in mehreren Abschnitten erfolgen, sodass der Spielbetrieb durchgehend weiterlaufen kann. Was ist in Sachen Architektur zu erwarten? Dazu lässt sich nur ein Auszug aus dem Zitat von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal in der Pressemitteilung vom Stadtportal hamburg.de wiedergeben: „Das Theater hat dem Fabrikgelände, auf dem es entstanden ist, seinen Stempel aufgedrückt und seine Seele eingehaucht und dabei den industriellen Charakter des Ortes nicht überschrieben, sondern ihn sich zunutze gemacht. Wir wollen mit unserer Arbeit die von Produktion und Kreativität geprägte Atmosphäre und die ursprüngliche industrielle Identität des Ortes erhalten, aber ohne Nostalgie, sondern mit dem Ehrgeiz, das Theater für sein Programm und die Nutzerinnen und Nutzer zukunftsfähig zu gestalten. Dazu gehört auch, Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umwelt und Energieeffizienz zu berücksichtigen, die unterschiedlichen Nutzungen und Architekturen weiterhin sichtbar zu machen und neue Räume in diesem Sinne mit einer zeitgenössischen Architektur hinzuzufügen.“

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