Italienische Vorschläge für Wernigerode

Manuel Pestalozzi
11. Januar 2022
Das Projekt „Duet“ siegte bei der nationalen Jury, unter anderem mit einer Laubengang-Typologie. (Visualisierung: © Europan)

Wernigerode hat das Entwicklungsareal um den Veckenstedter Weg zur Bearbeitung am Europan-Architekturwettbewerb „Living Cities“ 2020/2021 eingereicht. Der Stadt im Harz brachte dies ein lokales und ein nationales Siegerprojekt ein. 

Im Wettbewerb ging es um die Planung des acht Hektar großen Areals Veckenstedter Weg 76-80 und Veckenstedter Weg 14 a/Gießerweg 9 nördlich des Stadtzentrums von Wernigerode und dem Grüngürtel mit der sechsstufigen Teichkaskade. „Wir boten ein interessantes Projektgebiet, das die Fantasien der europäischen Architekt*innen beflügelte“, äußerte sich Christian Zeigermann in einer Pressemitteilung zu den Siegerprojekten. Er ist der Geschäftsführer der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode mbH (GWW), die das Areals besitzt. Gesucht wurden Lösungen für ein zukunftsfähiges Mehr-Generationen-Wohnen mit viel Gemeinschafts-Grün, „eine Weiterentwicklung des Gartenstadtgedankens in die Zukunft“, wie sich Christian Zeigermann ausdrückte. Entstehen sollen auf den beiden Arealen jeweils 20 bis 40 Mietwohnungen.

Im vergangenen Dezember wurden 25 Projekte vorgestellt, diskutiert und bewertet: von einer lokalen und danach nationalen Jury sowie auf einem großen Europan-Symposium in San Sebastian, wo sich Vertreter*innen der europäischen Städte, Architektur- und Stadtgestaltungsexpert*innen von Madrid bis Oslo dazu austauschten. Auf der nationalen Ebene von Europan siegte der Projektentwurf unter dem Titel „Duet“. Dahinter verbergen sich vier junge Architekt*innen: Francesco Baggio, Erasmo Bitetti, Federico Giorgio und Clara Faccio aus Italien. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der auf den ersten Blick schlichten Baukörperkonstellation mit überraschendem Innenleben. Das Projekt bietet nutzungsoffene Bereiche, Geschosswohnungen mit Laubengangerschließung und Maisonetten. Bei der äußerst cleveren inneren Organisation wechseln sich durchlässige Streifen mit Nasszellen und Treppen ab mit reinen Zimmer-Zonen. Fassaden und innere Wände verspringen zueinander. Das generiert viele Kombinationsmöglichkeiten für ein differenziertes Wohnungsangebot, entsprechend der Verschiedenheit heutiger Haushalte. Die Bauweise zeigt ein Bewusstsein für die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Klimatauglichkeit.

Bei den Grundrissen ermöglicht das „Duet“-Konzept verschiedene Raumkonstellationen. (Visualisierung: © Europan)

Auch der Favorit der lokalen Jury mit dem Titel „Living the new ecological Porous Garden City“ stammt von Nachwuchs-Architekt*innen aus Italien, unter ihnen Leonardo Marchi und Alice Covatta. Der Entwurf versucht nach dem Urteil der Jury das Betrachtungsgebiet in den gesamtstädtischen Kontext zu setzen. Die Weiterentwicklung zur titelgebenden „porösen Gartenstadt“ überzeugte das Beurteilungsgremium mit einem Aufbrechen des urbanen Gefüges durch Fußgängerbereiche, Radzonen und grüne Korridore. Die bestehende Umgebung wird mit verschiedenen Dach-Höhenentwicklungen gut aufgenommen. Dieser Entwurf markiert den nördlichen Stadteingang mit einem prägnanten Gesamterscheinungsbild. Die angebotenen 32 Wohnungen weisen eine passende Dichte und Wirtschaftlichkeit aus. Die Grundrisse sind gut gemischt, wobei der Schwerpunkt eher bei mittleren bis großen Wohnungen liegt.

Der lokale Favorit „Living the new ecological Porous Garden City“ bestach auch durch seine Eingliederung in die bestehende Bebauung. (Visualisierung: © Europan)

„Im März wird es einen Workshop mit den beiden italienischen Favoriten-Teams sowie den beiden Anerkennungs-Preisträgern aus Spanien und Deutschland zusammen mit Bauexperten geben, wo unter anderem die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Entwürfe Gegenstand sind“, kündigte Christian Zeigermann an. Man wolle danach einen der Entwürfe mit den Architekt*innen so weiterentwickeln, dass ab 2023 gebaut werden könne. Es wäre sehr erfreulich, wenn die Europan-Entwürfe Realität würden. Denn Miet-Wohnraum für junge Familien ist auch im Stadtgebiet von Wernigerode knapp und viele müssten aufs Umfeld ausweichen, so Christian Zeigermann. Die neuen Überbauungen könnten Abhilfe schaffen.

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie