Industriebaupreis 2022

Manuel Pestalozzi
31. Oktober 2022
Der Sonderpreis in der Kategorie Bauwerk ging an den AWS Betriebshof Vogelsang in Stuttgart. (Foto: Achim Birnbaum)

Gesucht wurden Projekte, die „durch ihr ausgewogenes Zusammenspiel von Gestalt, Funktion, Ökonomie, Konstruktion und Gebäudetechnik vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verantwortung und ganzheitlichem Denken begeistern“, wie sich die Bundesstiftung Baukultur ausdrückt. Sie ist eine der Ausloberinnen des Industriebaupreises, die schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg angesiedelt sind. Die 72 für den „industriebaupreis2022“ eingereichten Projekte stammten aber aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Den Preis erhalten Bauherr*innen und Planer*innen gleichermaßen. Zusätzlich wurden zwei Projekte in der Kategorie „Nachwuchspreis“ prämiert.

Gewinner in der Kategorie Bauwerk wurde der Pelletsspeicher der Gutmann GmbH in Hall in Tirol. (Foto: David Schreyer)
Pelletsspeicher und Betriebshof

In der Kategorie Bauwerk wurde der Pelletsspeicher der Gutmann GmbH in Hall in Tirol ausgezeichnet. Entworfen haben ihn obermoser + partner architekten zusammen mit dem Büro von Hanno Schlögl (1944–2020). Die Jury überzeugte insbesondere die Art und Weise, wie mit vermeintlich „einfachen“ architektonischen Mitteln eine Vielzahl von baulichen Herausforderungen gemeistert wurde. Dies reicht von der Transformation eines profanen Silos in ein städtebauliches Wahrzeichen über die architektonisch überaus reizvolle Aufstockung mit neuer, teilweise öffentlicher Nutzung bis hin zu einem eindrucksvollen Statement zum nachhaltigen Umgang mit bestehenden Industriestrukturen.

Einen Sonderpreis der Kategorie Bauwerk verdiente sich der Betriebshof Vogelsang der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), ein Werk von asp Architekten. Das Preisgericht erkannte in der Anlage einen zweckmäßigen Gewerbebau, der über seine reine Funktionalität hinaus auch auf ästhetischer Ebene überzeugt. Das vorherrschende Baumaterial Holz ergänzten die Architekten mit transluzenten Polycarbonat-Stegplatten. Wird die Anlage nachts von innen erleuchtet, verleihe das dem Betriebsgelände eine „eindrucksvolle Stärke“, urteilte die Jury.

Ein digitales Materialkataster wurde mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet. (Visualisierungen: Jule Büchle und Laura Stepper)
Nachhaltigkeitskonzepte vom Nachwuchs

Die beiden Nachwuchspreise befassten sich mit dem Typus Industriebau aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Jule Büchle und Laura Stepper von der Universität Stuttgart entwickelten im Rahmen der Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ einen digitalen Materialkataster für eine zukunftsfähige Baukultur. Schritt für Schritt „dokumentieren sie die Anwendung und optimieren den Prozess, wie es heute bei anderen Ansätzen, z.B. bei Madaster, kaum zu finden ist“, kommentiert die Jury diese Arbeit, „es ist ihnen in einem Themenfeld mit hoher Praxisrelevanz und mit viel Ehrgeiz gelungen, eine Forschungsfrage nachvollziehbar und praxisnah zu beantworten und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.“

Ebenfalls ein Nachhaltigkeits-Ziel verfolgt das zweite ausgezeichnete Nachwuchs-Projekt. Julia Siegwardt, ebenfalls von der Universität Stuttgart, hat für Industriebauten resp. ihre Eigentümer*innen Handlungsempfehlungen in Bezug auf Ziele, Organisation, Steuerungssystemen und Messungen über Key Performance Indicators (KPI) entwickelt. Damit soll eine CO2-Neutralität in Konzernstrategien europäischer Unternehmen im Bereich Corporate-Real-Estate-Management (CREM) erreicht werden. Die Jury beeindruckte die konsequente Bearbeitung dieses Themas. Aus analytischen und empirischen Untersuchungen vermochte die Autorin voll umsetzbare Handlungsempfehlungen abzuleiten.

In der Kategorie „Städtebauliche Anlagen“ wurden in der Ausgabe 2022 nur zwei Projekte eingereicht und keine Preise vergeben. Dies ist bedauerlich, denn die Integration von Industriebauten und Betriebsanlagen in Quartiere mit gemischter Nutzung gewinnt zusehends an Bedeutung.

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