ICC – bald eine Biosphäre?

Manuel Pestalozzi
31. Mai 2019
Palmen wachsen vor auf dem ICC, einer Membranhülle sei Dank. (Visualisierung: Neuner & Boeving GbR)

Das Internationale Congress Centrum (ICC) aus den 1970er-Jahren ist eines der Wahrzeichen Berlins. Seit der Schließung 2014 ist seine Zukunft ungewiss. Nun tauchen neue Ideen auf.

Das 313 Meter lange, 89 Meter breite und fast 40 Meter hohe Gebäude wurde nach Plänen der Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaut. Mit seiner expressiven „Maschinenästhetik“ und der silbergrauen Aluminiumfassade repräsentiert es exemplarisch die wohl vom Centre Pompidou in Paris beeinflusste Hightech-Architektur seiner Entstehungszeit. Seit der Schließung 2014 ist die Zukunft des im Betrieb offenbar ziemlich teuren Bauwerks ungewiss. Eigentümer ist das Land Berlin.

Ein Bericht von Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) erinnert daran, dass in letzter Zeit vor allem die Variante abschließen, abreißen, planieren diskutiert wurde. Doch noch hat man die Hoffnung auf einen Erhalt dieser Ikone nicht ganz aufgegeben. Insgesamt drei Monate lang ließ Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) prüfen, ob die freie Wirtschaft noch Interesse an dem riesigen Kongressbau hat. Sie durfte erkennen, dass ein solches durchaus da ist. Rund 50 Interessenten hätten sich das leerstehende Gebäude zuletzt angeschaut, 13 reichten Angebote ein. Acht von ihnen haben konkrete Ideen, was sie aus dem ICC machen wollen.

Der wohl auffälligste Vorschlag stammt vom Berliner Planungsbüro Neuner & Boeving GbR. Es will das ICC in eine Biosphäre einbetten und es unter eine Käseglocke aus transparenten Membranfolien schieben. Kongresse finden gemäss diesem Vorschlag weiterhin statt, Solarthermie und Photovoltaik gewährleisten eine Versorgung mit erneuerbaren Energien. Die Biosphäre würde auch einen öffentlichen Park rund um das ICC umfassen.

Ob es so weit kommt? Das Interesse der Investoren scheint ernsthaft zu sein. „Alle würden das ICC kaufen“, sagte Sven Lemiss, Geschäftsführer der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) gegenüber RBB. Pop zeigt sich dafür offen, bevorzugt aber bislang, das ICC nur in Erbbaupacht zu vergeben. Ab Mitte Juni sollen die zuständigen Senatsverwaltungen für Finanzen, Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung Konzeptverfahren für das ICC ausarbeiten. Dann will man auch endgültig klären, welche Idee der Senat konkret für das ICC haben möchte und zu welchen Konditionen man das Gebäude einem Investor übergeben würde.

Rückmeldung

Am 23. Juni erreichte die Redaktion eine Rückmeldung von Roland Böving, diesen Beitrag betreffend.

„In dem Architekturwettbewerb zum Umbau des ICC Berlin sind wird als Konsortium mit Neuer & Boeving als Planungsbüro und thyssenkrupp, seele, GalaSystems und Skyfold als Umsetzungspartner, in das Finale des Verfahrens gelandet. Das Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Um über einzelne Teile unseres Konzeptes zu berichten, spielt es eigentlich keine Rolle, ob unser Ansatz von der Stadt in der Zukunft umgesetzt werden wird oder nicht. Das Konzept passt zum Puls der Zeit und beflügelt gerade die Berliner Medien.“

„Wir würden uns jedoch sehr eine Versachlichung der Berichterstattung wünschen. Die Form und das Material der geplanten Hülle sind kein Zufall, sondern notwendig, um dem hermetisch abgeschlossenen Gebäude wieder Luft zu zuführen und die veraltete Klimatechnik abschalten zu können. Somit ist die Form kein reiner Selbstzweck zur Selbstdarstellung, sondern gewährleistet eine massive Reduzierung der Betriebskosten. Überdies kommt der neuen Hülle auch eine bedeutende gesellschaftliche Funktion zu, denn sie öffnet das Gebäude auch visuell und vermenschlicht die Wahrnehmung. Des Weiteren bietet die Neuausrichtung des Gebäudes im öffentlichen Raum die Chance, das neue ICC - mit seiner neuen organischen Hülle - als verbindendes Element für den durch die Autobahn gespaltenen Stadtteil Charlottenburg zu nutzen. Planungen zur Überbauung der Autobahn im Bereich des ICC wurden bereits im Berliner Senat genehmigt.“

Auf ihrer Facebook-Seite haben Neuner & Boeving eine Herleitung ihres Konzepts publiziert.

(Visualisierung: Neuner & Boeving GbR)

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