IBA’27 – bereits 16 offizielle Projekte

Manuel Pestalozzi
24. August 2021
Dies ist der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs „Zukunftsprojekt Hangweide“in Kernen. (Visualisierung: UTA Architekten/Sima/Breer)

Das Quartier Hangweide in Kernen im Remstal und das Reallabor Wohnen Stuttgart-Rot sind zu offiziellen Projekten der Internationalen Bauausstellung IBA’27 Stadtregion Stuttgart geworden. Vorhaben, die bis Ende 2021 eingereicht werden, haben Chancen auf eine Anerkennung als IBA’27-Projekt.

Urbanes Dorf

Auf der Hangweide, einem etwa acht Hektar großen Areal einer ehemaligen Einrichtung der Diakonie Stetten in Kernen im Remstal, entwickelt eine Projektgemeinschaft ein neues Quartier für mehr als 1.000 Menschen. Nach einer umfassenden Bürgerbeteiligung hat die Projektgemeinschaft zusammen mit der IBA’27 einen Städtebauwettbewerb durchgeführt, den im Herbst 2020 das Stuttgarter Büro UTA Architekten und Stadtplaner zusammen mit SIMA | BREER Landschaftsarchitektur aus Winterthur in der Schweiz für sich entschieden haben. Das Konzept sieht als Leitbild ein dicht bebautes „urbanes Dorf“ vor: eine Kombination aus städtischem und dörflichem Leben mit unterschiedlichen Wohnformen und Eigentumsverhältnissen. 

Das Leitbild für die Hangweide baut auf zwei Säulen auf: dem Städtebau mit klassischen Elementen eines Dorfes, verknüpft mit einer modernen Quartiers-Organisationsstruktur. Ziel ist es, ein Modell für ein neues solidarisches und gemeinschaftliches Zusammenleben im urbanen Raum zu entwickeln. Hinzu kommen Flächen für Nahversorgung, Gewerbe und Gemeinschaftseinrichtungen, eingebettet in großzügige öffentliche Freibereiche. Das Thema Inklusion aus der Geschichte der Hangweide soll verbunden werden mit der aktiven Förderung von Gemeinschaft. Eine als Genossenschaft organisierte „Quartiersmeisterei“ soll sich um die Organisation und den Betrieb der neuen Dorfgemeinschaft kümmern. Hinzu kommt ein ambitioniertes Konzept für das Energie-, Mobilitäts- und Wassermanagement.

Die Visualisierung zum städtebaulichen Entwurf „Am Rotweg“ für Stuttgart-Rot vermittelt einen Blick auf die Gemeinschaftswiese im Herzen des geplanten Quartiers (Visualisierung: ISSS/topo*grafik)
Erneuerung von Wohngenossenschaften

Im Stadtteil Rot, im Norden Stuttgarts, sollen von 2024 an auf einem rund zwei Hektar großen Areal innerhalb einer bestehenden Siedlung aus den 1950er-Jahren bis zu 280 Wohneinheiten entstehen. Die zwei Projektträgerinnen Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG und Baugenossenschaft Zuffenhausen eG (BGZ) haben dazu in Kooperation mit der IBA’27 einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, der international auf große Resonanz gestoßen war: mehr als 100 Büros aus aller Welt hatten sich für eine Teilnahme beworben. Der erstplatzierte Entwurf des Architekturbüros ISSS Research Architecture Urbanism aus Berlin zusammen mit topo*grafik aus Marseille sieht zehn große Gebäude vor, die sich um ein Netz von kleinen Plätzen und eine zentrale „Gemeinschaftswiese“ gruppieren. Die Erdgeschosse bieten Raum für Gewerbe und gemeinschaftliche Einrichtungen, darüber sind unterschiedlichste Wohnungstypen vorgesehen. 

Das Konzept für Stuttgart-Rot sieht außerdem vor, die Häuser in Holzhybrid-Bauweise zu bauen und das Quartier lokal und nachhaltig mit Energie zu versorgen. Mit der Neubebauung soll eine Quartiersentwicklung vorangetrieben werden, die generationengerechtes Wohnen auch für Menschen mit Einschränkungen und Pflegebedarf ermöglicht. Um die vor Ort lebenden Menschen in die weiteren Planungen einzubinden, wurde mit Förderung des Landes Baden-Württemberg mitten im Quartier schon jetzt eine „Laborbühne“ errichtet. Hier soll es Veranstaltungen und Aktionen zu Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Zusammenleben in Gemeinschaft sowie Beteiligung und Teilhabe geben.

Rund 150 Projekteinreichungen hat die IBA’27 seit ihrem Projektaufruf im Oktober 2018 erhalten. Fast 90 Einreichungen, die sich ehrgeizig mit der Zukunft des Bauens, Wohnens und Arbeitens in der Stadtregion Stuttgart auseinandersetzen, sind seitdem in das IBA’27-Netz aufgenommen worden. Aus dem Netz identifiziert das interdisziplinäre Team der IBA’27 im Austausch mit den Einreichenden Vorhaben, die besonderes Potenzial für eine ambitionierte Weiterentwicklung bis zum Jahr 2027 haben. Sie werden vom Aufsichtsrat auf Empfehlung des international besetzten Kuratoriums als IBA’27-Projekte ernannt und intensiv vom Team der IBA’27 begleitet.

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