„Holzbau ist politisch“

Manuel Pestalozzi
19. Juli 2022
Das Hochhaus und der Winkelbau von „Roots“ erheben sich auf einem gemeinsamen Sockel aus Beton. (Visualisierung: Garbe Immobilien-Projekte GmbH)

Die Bauherrschaft für „Roots“ besteht aus der Garbe Immobilien-Projekte GmbH – und der Deutschen Wildtier Stiftung, welche die unteren vier Stockwerke erwirbt und dort ihren Sitz mit eigenen Büroräumen haben wird. Sie nennt das Projekt „Hamburgs Tor zur Natur“. Die Architektur ist von Störmer Murphy and Partners aus Hamburg. Das Grundstück am Baakenhafen wurde von der Stadt im Baurecht abgegeben, erzählte Jan Störmer anlässlich eines Referats am Holzbautag im schweizerischen Biel. Die Stadt habe hier Holz gewollt. „Holzbau ist politisch“, zeigte sich der Architekt überzeugt. Das Projekt ist auch beim Marketing der HafenCity stets präsent.

Die Holzkonstruktion basiert auf massiven Holzdecken und tragenden Holzwänden. Die Akustik bleibt unter Kontrolle. (Visualisierung: Störmer Murphy and Partners)

Auf einem trapezförmigen Betonsockel stehen der 18-geschossige Turm, der 128 Eigentumswohnungen aufnimmt, und daran angeschlossen ein winkelförmiger Riegel, in dem 53 geförderte Mietwohnungen vorgesehen sind. Im Sockel soll auch ein Ausstellungsbereich der Deutschen Wildtier Stiftung auf zwei Ebenen entstehen. Alle Obergeschosse werden mit Massivholzdecken und -innenwänden errichtet, lediglich die Erschließungskerne sind in den oberen Geschossen eine Betonkonstruktion. Rund 5.500 m³ Konstruktionsholz wird verbaut. In den unteren Geschossen erfolgt die vertikale Lastabtragung über Baubuche, in den mittleren Geschossen mittels Furnierschichtholz, in den obersten Geschossen übernimmt diese Aufgabe eine Tragstruktur aus Brettschichtholz. Die Massivholzdecken ermöglichen wirtschaftliche Spannweiten von 5,5 Metern und mehr. Sie kragen über die Klimagrenze hinweg vor und ermöglichen in den oberen Geschossen des Hochhauses eine umlaufende Balkonschicht. Der Turm gilt als Leichtgewicht; bei der Fundierung wirkte sich das spürbar aus.

Das Gebäude ist ein Leichtgewicht. Das wirkte sich auch auf die Fundierung aus. (Visualisierung: Garbe Immobilien-Projekte GmbH)

Hamburg ist nicht für seine Holzbautradition bekannt. Der Auftrag zur Umsetzung wurde denn auch dem süddeutschen Unternehmen Assmann in Augsburg und dem österreichischen Holzbauer Rubner erteilt. Aus dem Süden wird der nachwachsende Baustoff herbeigeschafft. Das befleckt dessen Bilanz bei der Grauen Energie, was der allgemeinen Begeisterung in Hamburg aber keinen Abbruch tut. Die Fassade ist in Lärchenholz geplant. Erträgt es das Hamburger Hafenklima und die „Salzluft“? Dies wird aktuell geprüft, jedenfalls ist in der Fassadenebene eine zweite Haut aus Glas vorgesehen. Jan Störmer macht es nach eigenem Bekennen Spaß, mit den Holzbauern aus dem Süden zu arbeiten. Er hofft aber auch, dass es künftig im Norden Fachbetriebe gibt, die sich einer solchen Aufgabe kompetent annehmen können. Momentan scheint das Holz-Prestige ein nüchternes Abwägen über Sinn und Nutzen von Holz-Großprojekten mancherorts etwas zu überblenden. Wer den Fortschritt will, muss allerdings auch Wagnisse eingehen.

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