Hamburger U-Bahn-Station in Hochlage

Manuel Pestalozzi
11. Dezember 2018
Bild: Marcus Bredt

Zahlreiche Hamburgerinnen und Hamburger haben am Wochenende die neue U-Bahn-Station von gmp Architekten an den Elbbrücken besucht und bestaunt. Es folgen ein S-Bahnhof und ein verbindender Skywalk.

„Elbbrücken“ ist auch ein künftiges Quartier. Es wird in ein urbanes Zentrum am Ende des Baakenhafens und den östlichen Abschluss der HafenCity von Hamburg bilden. Der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr dient die Verlängerung der U-Bahn-Linie U4. Sie reicht jetzt bis zu den drei Bogenbrücken für Straße und Bahn. Ihre Endstation am nördlichen Brückenkopf bietet mit dem zukünftigen S-Bahnhof dereinst eine attraktive Umsteigemöglichkeit. U-Bahnhof, S-Bahnhof und verbindender Skywalk werden sukzessiv aufeinander folgend realisiert. Sie beruhen auf einem Entwurf von gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner, die bei einem Einladungswettbewerb 2013 den 1. Preis errangen, wobei beim S-Bahnhof nur das Dach von diesen Autoren stammt.
 

Bild: gmp

Eine Besonderheit des nun eröffneten U-Bahnhofs besteht darin, dass die Bahntrasse aus dem Unterrund auftaucht und in Hochlage parallel zu den Brückenzufahrten geführt wird. Die Architektur der Haltestelle wird das Bild des Quartiers mitprägen. An seiner exponierten Lage an der Elbe steht sie im Dialog mit den drei Brücken und orientiert sich gestalterisch an deren imposanten Stahlkonstruktionen. Das Dach mit dem Profil eines Korbbogens besteht aus sich kreuzenden, bogenförmigen Rahmen. Durch die rautenförmig angeordneten gedrehten Stahlträger ergibt sich eine Art Rost, in dem sich die einzelnen Bögen gegenseitig stabilisieren. Als außenliegende Konstruktion mit nach innen abgehängter Verglasung kommt die optische Präsenz des Tragwerkes im Stadtraum gut zum Tragen. Der Abschluss des Daches an beiden Stirnseiten ist – dem Rautenmuster folgend – als markant auskragende Spitze ausgeformt.

Bild: gmp

Die Station wird von der Zweibrückenstraße, welche dem Flussufer entlangführt, unterquert und ist deshalb teilweise als Brückenbau konstruiert. Die unterschiedlichen Ebenen der Schalterhallen, der Bahnsteige und die beiden Brücken zur Gleisquerung sind über Treppen, Fahrtreppen und Aufzüge erschlossen. Die oberste Stahlbrücke dient dem Anschluss an den Skywalk, der die U-Bahn-Haltestelle mit der S-Bahn-Station verbinden wird.
 
Die Station umfasst auf der Eingangsebene im Osten und Westen zwei Schalterhallen und darüber die Bahnsteige. Zwischen Bahnsteigebene und Schalterhalle befindet sich auf der vollen Länge der Haltestelle ein etwa 60 Zentimeter breites Band, das verschiedene Funktionen aufnimmt. Im Bereich der Schalterhallen wird das Band zur Medienwand, die Ticketautomaten, Vitrinen und diverse Technikelemente aufnimmt und auf der oberen Bahnsteigebene die Sitzbänke integriert. Darüber ist auf filigranen Stahlstützen ein Medienband aufgeständert.

Bild: gmp

Architektur und Ingenieurbau sind bei diesem Projekt auf das Engste miteinander verbunden, nur in der Synthese beider Disziplinen kann ein solches Projekt optimal entwickelt werden. Dabei wurde die dreidimensionale Geometrie schon im Wettbewerbsvorschlag, den die Hamburger Hochbahn AG zur Ausführung auswählte, von gmp zusammen mit dem Ingenieurbüro schlaich bergermann partner erarbeitet.

Bild: gmp

Publikumsmagnet war am vergangenen Eröffnungswochenende gemäß nahverkehrhamburg.de die neue Aussichtsplattform am Bahnsteigende, die direkt bis ans Elbufer heran reicht und einen ganz neuen Blick auf die HafenCity und das gegenüberliegende Elbufer bietet – dorthin, wo die U4 langfristig verlängert werden soll. Einen kritischen Vermerk konnte sich der Berichterstatter nicht verkneifen: Der Bau ist zugig.

Bild: Marcus Bredt

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

Mecanoo

Eurojust (EU agency)

Andere Artikel in dieser Kategorie