Graubündner Schule

Elias Baumgarten
7. Oktober 2020
Stefan Staub hat sich in seiner Bachelorarbeit mit der Entwicklung des Bahnhofsareals von Mesocco befasst. (Visualisierung: Stefan Staub, Fachhochschule Graubünden)

Seit wenigen Wochen halten die ersten Bachelorabsolvent*innen der Fachhochschule Graubünden ihre Diplome in Händen. In enger Zusammenarbeit mit den Bündner Gemeinden Alvaneu Bad und Mesocco entwickelten sie ihre Entwürfe. Sie setzten sich mit der Umnutzung historischer Bauten auseinander – eine wichtige Aufgabe, nicht nur im alpinen Raum.

Kürzlich knallten in St.Gallen die Korken: Die ersten Bachelorabsolvent*innen der ArchitekturWerkstatt durften ihre Diplome entgegennehmen. Grund zum Feiern gab es gleichzeitig auch in Chur: Wie in St.Gallen war dort 2017 ein eigenes Bachelorprogramm im Bereich Architektur aufgelegt worden, und wie in St.Gallen haben diesen Sommer die ersten Student*innen die neue Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. 

Die Kraft des Regionalen

An der Fachhochschule Graubünden sind starke Bachelorarbeiten entstanden. Wie jene aus der ArchitekturWerkstatt stehen auch sie beispielhaft für die hohe Qualität der Schweizer Architekturausbildung – gerade auch an den aufstrebenden Fachhochschulen. Trotz eines gewissen Spielraums und anders als in St.Gallen waren die Themen für die Entwürfe eng vorgegeben: Ein Teil der Student*innen entwickelte Vorschläge für Umbau und Sanierung des leerstehenden, historischen Wohn- und Schulhauses Laim in Alvaneu Bad. Eine zweite Gruppe beschäftigte sich mit der Umnutzung und Aufwertung des Bahnhofsareals der Gemeinde Mesocco nahe der Kantonsgrenze zum Tessin. Beide Aufgaben wurden in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen und teils auch unter Einbezug der Denkmalpflege Graubünden bearbeitet. Die Student*innen sollten sich unter möglichst realitätsnahen Bedingungen mit der Umgestaltung altehrwürdiger Bauten auseinandersetzen – in der ganzen Schweiz ein brandaktuelles Thema. Studienleiter Christian Auer erklärt, Ziel seien Projekte gewesen, welche die Gemeinden überzeugen und die jederzeit umsetzbar sind. Eine möglichst große Praxisnähe ist ihm sehr wichtig. Aus diesem Grund werden an der FHGR übrigens auch digitale Werkzeuge bereits sehr früh im Studium erlernt und genutzt. Auch die konsequente Verortung im Kanton ist kein Zufall: Der Nachwuchs wird in Chur in besonderem Maße auf die Arbeit in der Region vorbereitet, der Schwerpunkt der Ausbildung liegt ausdrücklich auf dem Bauen in den Alpen. 

Selina Gabathuler widmete sich dem derzeit leerstehenden Wohn- und Schulhaus „Laim“ in Alvaneu Bad. (Visualisierung: Selina Gabathuler, Fachhochschule Graubünden)
Blick über den Tellerrand

Der starke Fokus auf das Bündnerland bedeutet allerdings nicht, dass in Chur Eigenbrötler ohne Interesse an den Nachbarn werken. Im Gegenteil: In vielen Regionen des Alpenraums würden sich ähnliche Fragen stellen, sagt Daniel A. Walser, der an der FHGR Architekturtheorie und -geschichte unterrichtet. Allerdings seien die architektonischen Antworten bisweilen unterschiedlich. Darum sucht die Schule den Austausch mit Vorarlberg, Nord- und Südtirol, dem Tessin, aber auch der Lombardei. Exkursionen in die alpinen Nachbarregionen beispielsweise sollen die Entwicklung frischer Ideen stimulieren. Und auch Architekturtheorie und -geschichte sind wichtige Lehrinhalte: Für Walser sind sie unverzichtbare Werkzeuge, um konzeptionell präzise zu denken.


Die Zukunft der Architekturausbildung war ein wichtiges Thema an unserem vierten D-A-CH-Gespräch zur Digitalisierung der Bauwirtschaft.

Das Weiterbauen an alter Substanz und die Aufwertung und Verdichtung unserer Dörfer sind wichtige Zukunftsthemen, finden die jungen Architekten Nina Cattaneo und Pascal Marx.

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie