Geknickt und abgetreppt

 Carsten Sauerbrei
4. Juni 2018
Blick vom Kirchplatz auf das Ensemble aus neuem Pfarrheim. Torbogenhaus und Kirche St. Wallburgis. (Bild: Jörg Schneewind)
Soll Baukunst im Alltag wirken, muss sie mehr umfassen als Leuchtturmprojekte in deutschen Metropolen. Auch kleine Bauaufgaben in der Provinz wie der Neubau des Pfarrheims St. Wallburgis in Menzelen bieten die Chance auf gut gestaltete Architektur.
Mit dem Anfang Mai eingeweihtem Pfarrheim St. Walburgis im niederrheinischen Menzelen zeigt das Weseler Architekturbüro «Eling Architekten», dass auch kleine Projekte ein hohes Potenzial besitzen. Für die Architekten bot sich mit Ersatzneubau die Chance, die Verbindung des gesamten Ensembles aus Neubau, denkmalgeschütztem Torbogenhaus und Kirch St. Wallburgis zum angrenzenden Kirchplatz zu stärken. Dies erreichten sie, indem sie vor dem neuen Pfarrheim einen differenziert gegliederten Vorplatz mit einer großzügigen Treppenanlage und ebenfalls abgetreppten Sitzmöglichkeiten anlegten und auch die Parkbuchten geschickt in die neue Bepflanzung integrierten.
Über großzügige Verglasungen stellen die Architekten den Bezug zwischen Kirchhof und Neubau her. (Bild: Jörg Schneewind)
Ebenso differenziert wie die Freiflächen und auch mit starkem Bezug zum benachbarten Torbogenhaus und zum Kirchplatz gestalteten «Eling Architekten» den Baukörper des Neubaus. Über einen vorgelagerten, eingeschossigen Bauteil mit zurückspringendem, wettergeschütztem Haupteingang und einem großzügigen Glasfenster inklusive Durchblick zur Kirche stellen sie eine enge Verbindung zum Kirchplatz her. Ein zweiter, zurückgesetzter, zweigeschossiger Bauteil nimmt mit seiner Höhe die Geschossigkeit des Torbogenhauses auf und vermittelt mit einer Abknickung und einem weißen abgesetzten Fassadenabschnitt zwischen Bestand, Neubau und Kirchplatz.
Große Glasschiebetüren lassen sich im Pfarrsaal bei Bedarf öffnen. (Bild: Jörg Schneewind)
Nicht nur mit dem Baukörper, auch bei der Wahl des Fassadenmaterials orientierten sich «Eling Architekten» an Torbogenhaus und Kirche. So wählten sie einen hellen, rötlich-sandsteinfarbenen Ziegel für die Fassaden und eine kräftige, helle Betonrahmung für die Erkerfenster, die mit der Türlaibung des Torbogenhauses korrespondiert. Auch im Inneren des Neubaus ist die starke Verbindung zu den Nachbarn im Kirchenensemble spürbar. Im zweigeschossigen Foyer ermöglicht eine großzügige Verglasung den Blick auf die Kirche, ebenso wie die großen Glasschiebetüren im auf den grünen Innenhof ausgerichteten Pfarrsaal und in der Bibliothek blickt man direkt auf eine der Ziegelwände des benachbarten Bestands.
Auch im Inneren des Neubaus setzen die Architekten auf eine zeitgenössische Formensprache. (Bild: Jörg Schneewind)

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