Fuggerei Pavillon geht in die Niederlande

Manuel Pestalozzi
14. Juni 2022
Der „Fuggerei NEXT500“-Pavillon gehörte während mehreren Wochen zum Stadtmobiliar des Rathausplatzes von Augsburg. (Foto: © Quirin Leppert)

Die Augsburger Fuggerei besteht seit 500 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums ließ sich die Stiftungs-Administration dieser Sozialsiedlung vom holländischen Architekturbüro MVDRV einen Pavillon entwerfen. Dieser soll nun, nach der Aufstellung in Augsburg, in die Stiftung Fraeylemaborg in Groningen migrieren.

Die Fuggerei wurde am 23. August 1521 vom vermögenden Kaufherr Jakob Fugger (1459–1525) als Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger*innen gestiftet und zwischen 1516 und 1523 unter Federführung des Baumeisters Thomas Krebs erbaut. In diversen Kriegen erlitt sie Schäden, jedes Mal erfolgte ein Wiederaufbau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die aus langen, geraden Zeilenbauten bestehende Siedlung auf hinzuerworbenen angrenzenden Trümmergrundstücken um etwa ein Drittel auf heute 67 Häuser mit 140 Wohnungen erweitert.

Rund 30'000 Besucherinnen und Besucher feierten vom 6. Mai bis am 12. Juni das runde Jubiläum, das von über 100 Veranstaltungen begleitet wurde. Auf dem Rathausplatz, rund 400 Meter westlich der Fuggerei, war in dieser Zeit der vom niederländischen Architekturbüro MVRDV geplante Pavillon „Fuggerei NEXT500“ aufgestellt. Sein Querschnitt erinnert an die Wohnhäuser, doch die gekrümmte Zeile mit zwei Ausstellungsräumen und dem großzügigen, nach oben offenen Veranstaltungsraum bäumte sich nach Osten auf; eine große Öffnung hoch über dem Rathausplatz wies in die Richtung des Standorts der Siedlung. Der Pavillon wurde in Holzmassivbauweise errichtet: Wände, Boden und Dach bestehen aus vorgefertigten Brettsperrholzelementen. Insgesamt kamen rund 130 Kubikmeter Brettsperrholz zum Einsatz – das Material stammt passenderweise aus den nachhaltig beforsteten Fuggerschen Stiftungswäldern.

Nachhaltig ist auch die Zukunft des Pavillons. Ihn erwartet im Kunst- und Skulpturenpark der Stiftung Fraeylemaborg im niederländischen Groningen ein zweites Leben. An der Nordseeküste wird er neu aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er wird das Freiluftmuseum mit seinen Kulturgütern und baulichen Skulpturen ergänzen, das auf rund 23 Hektar in Form einer englischen Gartenlandschaft angelegt ist. „Der Fuggerei-Pavillon hat einerseits gezeigt, dass die Fuggerei Menschen nicht nur ein selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglicht und anderen als Fuggerei-Stiftung auch ein Ort der Ideen und des Dialoges ist. Diesen Geist der Offenheit und des Austausches wollen wir auch über das 500. Jubiläumsjahr hinaus mit in die Zukunft nehmen und Brücken in die Zukunft bauen. Wir freuen uns, dass der Pavillon eine neue Heimat in den Niederlanden gefunden hat und die Fuggerei-Ideen über die Landesgrenzen hinweg strahlt“, betonte Alexander Erbgraf Fugger-Babenhausen, Vorsitzender des Fuggerschen Familienseniorats.

Die gekrümmte, sich aufbäumende Zeile aus Brettsperrholz erinnert an den Querschnitt der historischen Siedlungshäuser. (Foto: © Quirin Leppert)

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