Erzbistum Berlin baut mit Max Dudler

Manuel Pestalozzi
6. Juni 2022
Die Hedwigskirchengasse führt vom Bebelplatz am Portal der Kathedrale vorbei und dem Neubauflügel des Bernhard-Lichtenberg-Hauses entlang in die Französische Straße. (Visualisierung: Max Dudler)

Max Dudler plant Baumaßnahmen am Bernhard-Lichtenberg-Haus. Es bildet in Berlin-Mitte ein Ensemble mit der St.-Hedwigs-Kathedrale, dem Bischofssitz der römisch-katholische Erzdiözese im Nordosten Deutschlands. Eben wurde die Baugenehmigung erteilt.

Das Bernhard-Lichtenberg-Haus besteht aus einem Gründerzeitbau entlang der Französischen Straße und einem im rechten Winkel westlich anschließenden Trakt aus den 1970er-Jahren an der Hedwigskirchengasse zwischen der Französischen Straße und dem Bebelplatz. Für den Umbau des älteren und den Ersatzneubau des jüngeren Gebäudes veranlasste das Erzbistum Berlin eine europaweite Ausschreibung, die Max Dudler im Januar 2020 für sich entscheiden konnte. Dudlers Neubau rückt vom Altbau leicht ab und ergänzt die beiden mit einem schmalen Verbindungstrakt, der auf Straßeniveau als Durchgang ausgebildet ist. Damit soll eine Öffnung zur Französischen Straße geschaffen werden, die der Kathedrale neue Präsenz verleiht. Die Architektur des Neubaus, der mit einer Natursteinfassade verkleidet wird, versteht sich als Transformation des neoklassizistischen Nachbarn. An der Nordfassade nimmt eine Kolonnade den Besucher vom Bebelplatz auf und leitet ihn zu einem Forum und einem öffentlichen Café im Erdgeschoss. Ein zurückgezogener Platz zwischen der Kirche und dem winkelförmigen Baukomplex dient als Außenraum für das Café und als Ruheort inmitten der Stadt. Weitere Nutzungen, wie eine Buchhandlung sowie öffentliche Räume der Begegnung und Meditation, ergänzen das Forum.

Der Verbindungsbau zwischen Alt- und Neubau ist durchlässig. Zusammen mit der Kirche bildet das Ensemble hier einen intimen Platz. (Visualisierung: Max Dudler)

Die St.-Hedwigs-Kathedrale steht in der Südostecke des Bebelplatzes, der sich im Norden zur Promenade Unter den Linden öffnet. Der Rundbau im Friderizianischen Rokoko mit der imposanten Kuppel entstand ab 1747 nach Plänen von Georg Wenzeslaus und war der erste katholische Kirchenbau seit dem Ende der Reformation. Er wird seit 2018 umgebaut, nach einem Wettbewerbsentwurf von Sichau & Walter mit dem Künstler Leo Zogmayer, und ist aktuell geschlossen. Das Bernhard-Lichtenberg-Haus mit Büro-, Veranstaltungs-, Begegnungs- und Wohnräumen steht hinter der Kathedrale an der Französischen Straße. Es ist benannt nach einem Berliner Priester, der wegen seines öffentlichen Gebets für die verfolgten Juden und der Kritik an den „Euthanasie“-Morden unter den Nazis als Inhaftierter starb und 1996 seliggesprochen wurde.
Die Baugenehmigung für Umbau und Ersatzneubau liegt seit Ende Mai vor, die Arbeiten sollen demnächst beginnen. Das Projekt wird die „steinerne Mitte“ der Bundeshauptstadt maßvoll ergänzen und mit seiner Zickzackfassade im Attikageschoss auch ein wenig beleben.

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie