Behnisch Architekten entwerfen Energietechnik-Labor bei Karlsruhe

Energieströme

Ulf Meyer
1. April 2020
© Behnisch Architekten, Foto: David Matthiessen

Was macht ein „großer“ Architekt, wenn er eine „kleine“ Bauaufgabe bekommt? Er wiedersteht der Versuchung, den Mini-Bau mit einem Übermaß an gestalterischer Ambition zu überfordern.

Behnisch Architekten aus Stuttgart sind im Hochschul- und Laborbau auch international erfolgreich. Für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein Labor für Energietechnik mit weniger als 2.000 Quadratmetern Fläche zu bauen, muss sich für sie wie „Peanuts“ angefühlt haben. Der Neubau auf dem „Campus Nord“ in dem Örtchen Eggenstein-Leopoldshafen hat dennoch seinen Reiz: Seine transluzente Fassade aus Polycarbonat verdeckt nur teilweise das hybride Tragwerk aus Holz und Beton. Blendfreies, gefiltertes Licht fällt in die Halle – ein Lob des Schattens! Der stützenfrei überspannten Versuchshalle für die Forscher wurde ein zweigeschossiger Büroriegel angegliedert. Vom Haupteigang gelangen Forscher über einen verglasten Windfang in einen breiten Flur zwischen Büros und Halle. Eine leichte Glaswand verbindet beide Teile visuell miteinander. In dem Büroriegel befinden sich Kontrollstände, Räume für die Versuchsvorbereitung und Besprechungen sowie eine Teeküche. In der Mitte des Flurs führt eine einläufige Treppe mit Aufzug in das Obergeschoss. Die Büroräume grenzen an den Luftraum der Halle und erlauben den Energie-Experten Blicke auf die Versuchsanordnungen.

© Behnisch Architekten, Foto: David Matthiessen
© Behnisch Architekten, Foto: David Matthiessen

Das Tragwerk besteht aus Fichte-Konstruktionsvollholz. Die Stützen und Träger aus Stahlbeton-Fertigteilen tragen in erster Linie die Kranbahn, werden aber auch für die Tragwirkung der Halle - des Dachtragwerks und der Aufnahme der Horizontallasten. Das Skelett dient auch zur Stabilisierung des Tragwerks im Erdbebenfall, denn das Gebäude liegt in der „Erdbebenzone 1“. Die sichtbar belassenen Holzoberflächen geben den Aufenthaltsflächen nicht nur eine angenehm warme Atmosphäre, die Verwendung des umweltfreundlichen Baustoffs passt auch zum Sujet der Forscher, die sich mit erneuerbaren Energiequellen beschäftigen.

© Behnisch Architekten, Foto: David Matthiessen
© Behnisch Architekten, Foto: David Matthiessen

Ebenso wie die Fassade ist auch das Sheddach mit Polycarbonat-Platten verkleidet, die von oben gleichmäßiges Tageslicht in die Halle dringen lassen. Für die Büros haben Behnisch Architekten Fenster mit Klarglas in die transluzente Fassade eingefügt. Aufstellflächen für Gerät mit großen Wärmelasten liegen außerhalb der Gebäudehülle hinter einer Lamellenfassade. Das gezackte Dach passt zu den Industriebauten der Umgebung, aus der das Energie-Labor nur durch feine Details hervorsticht. Das genügt.

Plan: Behnisch Architekten
Plan: Behnisch Architekten
Plan: Behnisch Architekten
Plan: Behnisch Architekten

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