Einst Bahn, nun Depot

 Carsten Sauerbrei
17. August 2018
Mit einer Ziegelfassade und der Reihung von asymmetrischen Giebeldächern greifen Staab Architekten die charakteristischen Motive der historischen Industriearchitektur des Standorts auf. (Bild: Marcus Ebener)
Das neue Zentraldepot der Stiftung Preußische Schlösser Gärten auf einem ehemaligen Bahngelände in Potsdam nimmt die charakteristischen Merkmale der historischen Industriearchitektur im Umfeld auf. Mitte Mai wurde der Bau von Staab Architekten eingeweiht.
Liebhaber zeitgenössischer Architektur und der Moderne haben es schwer in Potsdam. Rekonstruktionen wie das Landtagsschloss oder der Palais Barberini und Abrisse von Bauten der Nachkriegsmoderne dominieren die Stadtentwicklung. Dennoch gibt es zum Glück auch in Potsdam immer wieder gelungene Projekte, die zeitgenössische Ästhetik mit Bezug zu Geschichte und Umfeld verbinden und zeigen, dass dies die bessere Alternative zu Rekonstruktion und Retro-Ästhetik ist. Schon im letzten Jahr zeichnete das Berliner Büro Staab Architekten mit dem Wissenschafts- und Restaurierungszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten für ein solches Projekt verantwortlich. Anfang Mai wurde nun ihr nächster Bau für den gleichen Bauherrn, das Zentraldepot für Kunstgüter eingeweiht.
Der lang gestreckte Baukörper befindet sich auf einstigem Bahngelände und orientiert sich an seinen Nachbarn, einer neuen Lagerhalle und einer historischen Scheddachhalle. (Bild: Marcus Ebener)
Das Umfeld des Zentraldepots auf dem Gelände eines einstigen Ausbesserungswerks
der Reichsbahn ist diesmal anders als beim Wissenschafts- und Restaurierungszentrum stark von der Potsdamer Industriegeschichte geprägt. Daher orientiert sich der lang gestreckte Zweckbau städtebaulich auch an der Struktur der angrenzenden Gewerbebauten, einer neuen Lagerhalle und der angrenzenden, denkmalgeschützten Scheddachhalle, die demnächst durch Jürgen Mayer H. zum Innovationshub umgebaut werden soll. Asymmetrische Giebeldächer und schmale Entrauchungspaneele rhythmisieren die minimalistisch-skulpturale Ziegelfassade des Depots, die damit die charakteristischen Elemente der historischen Industriearchitektur des Standorts aufgreift.
Reihung und Wiederholung bestimmten auch das Erscheinungsbild des Gebäudeinneren. (Bild: Marcus Ebener)
Die vertikale Faltung der Ziegelfassade und deren Metallelemente transformieren Staab Architekten an der Stirnseite des Gebäudes zu einer ebenfalls vertikal strukturierte Metallverkleidung. Diese rahmt den Eingangs- und Anlieferungsbereich sowie Arbeitsräume im Erdgeschoss, wo Fassadenschwerter die Verbindung zum Giebeldach der Längsseite herstellen. Motive wie Reihung und Wiederholung finden sich auch im Gebäudeinneren, wo sich die immer gleichen Depot-Einheiten auf zwei Geschosse verteilen. Deren unterschiedliche Lagerinfrastruktur, die von einfachen Regalen, über geschlossene Schränke bis hin zu verschieden großen Kompaktmagazinen reicht, nimmt Möbeln, Porzellan, Gemälde und Musikinstrumenten auf, die bisher auf sieben Standorten verteilt waren. In einem weiteren Bauabschnitt soll in den nächsten Jahren nördlich des nun eingeweihten Depots ein zusätzliches Gebäude für die Lagerung von Skulpturen entstehen.
In einfachen Regalen, geschlossenen Schränken oder verschieden großen Kompaktmagazinen werden Möbel, Porzellan, Gemälde und Musikinstrumente gelagert. (Bild: Marcus Ebener)

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