Edel frühstücken in der Autostadt

Manuel Pestalozzi
16. August 2022
Die Buffet-Inseln sollen an Kiesel erinnern, die vom Wasser geschliffen wurden. (Foto: © Robert Rieger, Autostadt GmbH)

Das Hotel am Mittelland-Kanal bietet einen Blick auf das wohl bekannteste Wahrzeichen Wolfsburgs: die Fassade des denkmalgeschützten Heizkraftwerks Nord/Süd. Das fünfstöckige Ritz-Carlton Wolfsburg, das sich im Besitz  der Volkswagen AG befindet, bildet den Umriss eines Zweidrittelkreises ab, wobei der so entstandene Innenhof zur Autostadt geöffnet ist und die westlichen Partien der Außenfläche dem Kraftwerk zugewandt sind. Bekannt ist das Hotel auch für seine mehr als 600 Werke umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst. Sie beinhaltet unter anderem Werke von Robert Mapplethorpe, Arnold Newman, Elger Esser, Günther Förg, Rolf Rose, Agnes Forsthuber oder Heinrich Heidersberger.

Das Frühstücksrestaurant befindet sich auf der Außenseite des offenen Rings, welches das Hotel im Grundriss darstellt. (Plan: HENN)

Das Frühstücksrestaurant „Aura“ ist ein nach außen orientierter Abschnitt des Zweidrittelrings und weitgehend in einem ebenfalls gekrümmten Wintergarten untergebracht. Seine Terrasse grenzt an das Hafenbecken mit dem Heizkraftwerk. Das siegreiche Wettbewerbsprojekt von HENN ist inspiriert von Küstenlandschaften; drei Raumzonen heben sich voneinander ab und wollen an den Übergang von Sanddünen zu einem Uferbereich mit Kieselsteinen erinnern. Jede Zone unterscheidet sich durch ihre Materialisierung. Einzeltische folgen der Stahl-Glas-Fassade, der zentrale Bereich mit offenem Kamin ist wohnlich möbliert. Der hintere Bereich entlang der Rückwand des Lokals zeichnet sich aus durch Einzeltische, die in Nischen integriert sind und ein intimes Ambiente bieten. Drei freistehende Buffetinseln mit abgerundeten Schmalseiten erzeugen das Bild von Steinen, die von Wellen glattgeschliffen wurden.

Im mittleren Bereich wurde das Restaurant wie ein Wohnzimmer möbliert. (Foto: © Robert Rieger, Autostadt GmbH)

Da das rund 377 Quadratmeter große Lokal jenseits des Frühstücks-Zeitfensters auch für Veranstaltungen genutzt wird, musste bei der Möblierung und der Unterteilbarkeit auf Flexibilität geachtet werden. Filigrane Stellwände, die in Farbe und Erscheinung an gebleichtes Dünengras denken lassen, können einfach umplatziert werden. Wände sind mit grauem Travertin verkleidet. Im Zugangsbereich hängen Deckenleuchten der Serie 73 von Bocci. Sie bestehen aus unregelmäßig geformten Glaselementen, welche den Gesamteindruck um eine subtile Asymmetrie ergänzen. Die Teppiche wurden nach Spezifikationen von HENN handgeknüpft. Holzverkleidungen, unebene Putzbeschichtungen und Messingoberflächen sorgen für ein warmes Ambiente, welches einen Kontrast zur eher rauen industriellen Umgebung herstellt. Akustikelemente an den Rückwänden wurden mit Textilien bespannt, die mit Aquarellen von HENN bedruckt sind – womit es dem Architekturbüro gelungen ist, dieser Welt der Gastlichkeit auch noch eine persönliche Note zu geben.

Der Zugang erfolgt unter Bocci-Leuchten hindurch. (Foto: © Robert Rieger, Autostadt GmbH)
Die Akustikpaneele hinter den Sitznischen sind mit Aquarellen von HENN bedruckt. (Foto: © Robert Rieger, Autostadt GmbH)

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