Die Bundesbank von morgen

Manuel Pestalozzi
9. August 2021
Das Rendering des Siegerprojektes von Morger Architekten sagt der Bundesbank eine modernistisch-konservative Zukunft voraus. (Rendering: Morger Architekten Partner AG, Basel)

Die Deutsche Bundesbank hat nach einem Wettbewerb das siegreiche Schweizer Büro Morger Partner Architekten AG aus Basel mit Architektenleistungen für die geplanten neuen Bürogebäude der Frankfurter Zentrale beauftragt. Das Motto des Entwurfs scheint zu lauten: Weiter wie bisher.

Das Bundesbank-Gelände in Frankfurts Stadtteil Bockenheim wird dominiert vom gewaltigen, brutalistischen, 217 Meter langen und 54 Meter hohen Hauptbau. Er entstand zwischen 1967 und 1972 nach einem Entwurf des Architekturbüros ABB (Otto Apel, Hannsgeorg Beckert und Ingenieur Gilbert Becker). 2018 beschloss der Vorstand der Deutschen Bundesbank in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt, parallel zur Sanierung des Hauptgebäudes zusätzliche Büroflächen auf dem Gelände zu schaffen. Für die Gestaltung des künftigen Campus beauftragte der Vorstand Ferdinand Heide Architekten mit der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes. Das Frankfurter Architekturbüro schlug in seiner Machbarkeitsstudie auf dem Gelände der Zentrale unter anderem drei ergänzende Bürogebäude in der Höhe des bestehenden Haupthauses vor. Dieser Vorschlag bildete die Basis für den Wettbewerb.

Drei neue, identische Hochhäuser werden im Entwurf von Morger Partner Architekten zum Gegenüber des Ursprungsbaus. Ein flacheres Gebäude ist als Pendant zum heutigen Hauptkassengebäude vorgesehen. (Foto: Deutsche Bundesbank)

Bereits im Juni 2020 hat ein 13-köpfiges Preisgericht mit Vertreter*innen der Fachwelt, der Bundesbank sowie der Stadt Frankfurt am Main aus insgesamt 29 eingereichten Entwürfen sechs Preisträger und zwei Anerkennungen ausgewählt. Mit dem ersten Preis wurde der Entwurf des Büros Morger Partner Architekten AG ausgezeichnet. Er baut auf dem städtebaulichen Rahmenplan von Ferdinand Heide auf und entwickelt diesen evolutionär weiter. Er „besteht aus drei identisch ausgeführten, schmalen Bürohausscheiben und bildet dadurch eine spannungsvolle Analogie zum Hauptgebäude“, heißt es in der Beurteilung des Preisgerichts. Die Schweizer Architekt*innen haben in ihrer Arbeit ausgewogene Freiräume geschaffen und damit einen starken Campus-Gedanken entwickelt, meinte die Bundesbank damals in ihrer Pressemitteilung. Ein besonders gut organisierter Grundriss sorgt zudem für eine hohe Flächeneffizienz, was sich sehr positiv in den wirtschaftlichen Kenndaten niederschlägt.

Die Fassaden mit den umlaufenden, von dünnen Stahlstäben hängenden Balkons sind eine Hommage an die Architektur von Egon Eiermann. (Rendering: Morger Architekten Partner AG, Basel)

Morger Partner Architekten kommentieren ihren Entwurf dahingehend, dass er geprägt sei von der Frage nach der Identität des Ortes wie auch der Frage nach der Identität der Institution „Bundesbank“ innerhalb der Gesellschaft. In dieser Verantwortung werde im Vorschlag das Thema der Nachhaltigkeit als zentraler Entwurfsgedanke verankert. Er manifestiere sich vom Wertschöpfungsprozess über die Konstruktion bis in die Materialisierung der Bauwerke. Tradierte bauliche Charaktermerkmale wie Massivität, Opulenz und Repräsentationsarchitektur würden bewusst negiert. Die wertvolle Betonarchitektur des Bestandes bereichere der Entwurf mit einer Architektursprache, welche geprägt sei von offener Leichtigkeit und lokalhistorisch die Verwurzelung in den Bauten Egon Eiermanns zeige. Wenn man die Darstellungen zu diesem Projekt studiert, fällt die strenge, insgesamt konservativ wirkende Grundhaltung auf. Aber vielleicht ziemt sich das auch für eine Bank, welche ja Sicherheit und Wertbeständigkeit ausstrahlen soll.

Im nächsten Schritt wird die Bundesbank die sechs Preisträger des Architektenwettbewerbs auffordern, ein Angebot für zwei weitere Bereiche abzugeben. Dabei handelt es sich um die Kindertagesstätte, die Sportstätten und die neue Tiefgarage entlang der Wilhelm-Epstein-Straße sowie um einen kleinen Pavillon für gastronomische Zwecke, der im südlichen Parkbereich vorgesehen ist. Der Zuschlag für diese Leistungen wird voraussichtlich im ersten Quartal 2022 erteilt.

Das Vokabular der klassischen Moderne sorgt in der Eingangsebene für repräsentative Opulenz. (Rendering: Morger Architekten Partner AG, Basel)

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