Deutscher Bauherrenpreis

Manuel Pestalozzi
6. März 2018
Umgewandelte Schlichtwohnanlage aus den 1950er Jahren in Bremerhaven – Siegerprojekt zum Thema „Revitalisierung von Wohnsiedlungen“. Bild: Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven mbH, Bremerhaven

Auslober des Wettbewerbs um den Deutschen Bauherrenpreis 2018 der Aktion „Hohe Qualität – Tragbare Kosten“ sind seit 1986 der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., Berlin, der Bund Deutscher Architekten BDA, Berlin, und der Deutsche Städtetag (DST), Köln. Sie werden vertreten durch die Arbeitsgruppe KOOPERATION GdW-BDA-DST. Im Brennpunkt stehen nicht nur tragbare Kosten beim Bauen, sondern auch die langfristige Wirtschaftlichkeit der Investitionen. Das setze Qualitätsbewusstsein bei Grundrissgestaltung, Materialwahl und Erscheinungsbild voraus, denn nur bedürfnisgerechte, an veränderte Ansprüche anpassbare Wohnhäuser mit guten Standortqualitäten würden auf Dauer nachgefragt, ist auf der Website der Organisatoren nachzulesen.
 
Die Preise wurden an einer festlichen Veranstaltung im Rahmen der Berliner Baufachmesse bautec am 21. Februar 2018 vor 400 Gästen aus Politik und Wirtschaft vergeben und die Nominierten gewürdigt. Die Projekte wurden von der Jury nicht wie in früheren Wettbewerben nach Neubau und Modernisierung kategorisiert, sondern 11 Themen zugeordnet, die nach der Sichtung der Beiträge festgelegt wurden. „Damit war es besser als bisher möglich, der Komplexität und Vielfalt der eingereichten Projekte gerecht zu werden“, erläuterte Heiner Farwick, Präsident des Bundes Deutscher Architekten BDA, unter dessen Vorsitz das Preisgericht seine Entscheidungen traf.

Vom Bürokomplex zum Wohnquartier „Living Circle“ in Düsseldorf – Preisträgerin zum Thema „Umnutzung für das Wohnen“. Bild: Andreas Hagemann

Elf Themen, zwölf Preiträger
Der Preis zum Thema „Revitalisierung von Wohnsiedlungen“ ging an die Bremerhavener städtische Wohnungsgesellschaft, die mit dem Architekten Hans-Joachim Ewert eine Schlichtwohnanlage aus den 1950er Jahren zu einem altersgerechten Wohnquartier umgebaut hat. Der Projektname „Living streets“ deutet auf die innovativen Laubengänge als Verbinder der Nachbarschaft rings um den attraktiven Gemeinschaftshof hin.

Zum Thema „Umnutzung für das Wohnen“ ist es der Bauwert CA Grafenberger Allee als Bauherrin mit Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure BDA gelungen, einen aus großen Rundkörpern bestehenden Bürokomplex in Düsseldorf zu dem ungewöhnlichen Wohnquartier „Living Circle“ umzubauen.
 
„Bauen in schwierigen Lagen“ war das Thema, das die Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Rosenheim gemeinsam mit den BDA-Architekten aus bogevischs buero architekten & stadtplaner preiswürdig gestaltet hat. Die Wohnanlage Finsterwalder Straße bietet familienfreundliches Wohnen in einer lärmbelasteten innerstädtischen Lage, die zu einem attraktiven Stadtbaustein mit ruhigem Innenhof verwandelt wurde.

Rohbau mit hoher Vorfertigung in Berlin, Preisträger zum Thema „Bauen in Gemeinschaft“. Bild: Andreas Riedel

Zum Thema „Bauen in Gemeinschaft“ hat die Berliner Bauherrengemeinschaft „Ausbauhaus Neukölln“ mit Praeger Richter Architekten einen überzeugenden Beitrag geleistet. Der flexible Innenausbau eines als Rohbau mit hoher Vorfertigung vorgegebenen Wohnhauses in Eigenregie zeigt, dass individuelle Wohnverhältnisse zu erschwinglichen Kosten möglich sind.
 
Das Thema „Stadtreparatur durch Wohnungsbau“ wurde von der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mit Herwarth Architekten und ARP ArchitektenPartnerschaft bei der Gestaltung der „Neuen Ortsmitte Botnang“ vorbildlich umgesetzt. Ein Wohnensemble mit vielfältigen Dienstleistungsangeboten hat eine innerstädtische Brache zur verbindenden Mitte eines Stuttgarter Ortsteils verwandelt.
 
Wie „Neue Wohngebiete“ preiswürdig gebaut werden können, hat die Bauherrin jenawohnen mit Junk & Reich Architekten BDA bei dem Projekt „Wohnen mit Weitblick“ auf den Jenaer Friedensberg-Terrassen gezeigt. In exponierter Hanglage ist ein unverwechselbares Wohnquartier 70 für unterschiedlichste Wohnansprüche entstanden.

Zum Thema „Stadtreparatur durch Wohnungsbau“ würdigte das Preisgericht die „Neue Ortsmitte“ von Stuttgart-Botnang. Bild: Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG)

Der „Weiterbau von Quartieren“ wurde von der Halleschen Wohnungsgenossenschaft FREIHEIT mit Brambach & Dressler Architekten BDA im Hallenser Königsviertel beispielhaft gelöst. Die Bauherrin hat mit der sensiblen und gestalterisch bemerkenswerten Neubebauung einer Brache einen wichtigen Anstoß zur Revitalisierung eines lange durch Leerstand und Verfall geprägten gründerzeitlichen Viertels gegeben.
 
Mit „Bauen für Nachbarschaften“ wurde von der Jury ein Thema gewählt, das in besonderem Maße die soziale Ausstrahlung eines Projektes auf sein Umfeld würdigt. Der Preis ging an die Münchener Genossenschaft WOGENO, die mit den Architekten FUNK WA 10 Zwingel Dilg Färbinger Rossmy im Münchener Quartier Domagk Park einen Baukomplex geschaffen hat, der sich mit seinen vielfältigen Nutzungsangeboten an die eigenen Bewohner ebenso wie an die Nachbarschaft richtet.
 
Das Projekt „Grüner Weg“ in Köln-Ehrenfeld ist ein bemerkenswerter Beitrag zum Thema „Konversion durch neue Quartiere“. Die GAG Immobilien AG zeigt hier mit ASTOC Architects and Planners, Molestina Architekten BDA und Lorber Paul ArchitektenBDA, wie eine komplizierte
Industriebrache zum lebendigen Viertel für Wohnen und Arbeiten werden kann.

Als „Kleine Wohnanlage“ kam das das Projekt „NeckarFai“r in Villingen-Schwenningen zu Ehren. Bild: Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen mbH

„Kleine Wohnanlagen“ wurde von der Jury als Thema mit besonderer Bedeutung für den ländlichen Raum gesehen. Dazu lieferte das Projekt „NeckarFair“ der Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen mit Architekturbüro Johannes Martin einen herausragenden Beitrag. Errichtet wurde eine kostengünstige neue Wohnanlage mit vielfältigen sozialen Angeboten.
 
Das Thema „Serielles und modulares Bauen“ wurde von der Jury als so wichtig erachtet, dass zwei Preise vergeben wurden: Das Pilotprojekt „Wohnen über dem öffentlichen Parkplatz“ am Dantebad in München der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG mit Florian Nagler Architekt BDA zeigt, wie dank effizienter Vorfertigung kostengünstiger Wohnungsbau schnell und dazu noch über einem spektakulären Grundstück errichtet werden kann.
 
Mit dem „Bremer Punkt“ in Bremen hat die landeseigene GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen mit LIN Architekten Urbanisten einen würfelförmigen Bautyp entwickelt, der für die serielle bauliche Ergänzung von Siedlungen der 1950er und 1960er Jahre geeignet und dabei so flexibel ist, dass er passgenau auf die Bedürfnisse in den vorhandenen Nachbarschaften eingehen kann.

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