Deutsche Transatlantik in Manhattan

Manuel Pestalozzi
10. Juni 2021
Die Website von David Chipperfield Architects präsentiert den geplanten Eingriff mit einer neuen Eingangssituation. (Visualisierung: David Chipperfield Architects)

Das Goethe-Haus vis-à-vis dem Metropolitan Museum und New Yorks Central Park steht seit einigen Jahren leer. Fortan soll das Palais dem transatlantischen Dialog dienen. Dafür wird es von David Chipperfield Architects umgebaut.

Noch ist nicht viel bekannt über das Umbauprojekt. Auf der Website von David Chipperfield Architects erfährt man, dass das Büro einen internationalen Designwettbewerb der Bundesregierung gewonnen hat, mit welchem das einstige Goethe-Haus in ein Zentrum für den transatlantischen Dialog umgebaut werden soll. Die Zeit beruft sich auf eine dpa-Meldung, nach der eine unabhängige Jury das Projekt des britischen Büros auswählte. Der Bundestag habe 2016 für diese Liegenschaft und das als Residenz für Stipendiaten bereits fertige Thomas-Mann-Haus Villa in Los Angeles zusammen 34 Millionen Euro bereitgestellt. Das Konzept von Chipperfield gehe aus Sicht der Beteiligten –  ähnlich wie bei der von dem Architekten gerade sanierten Neuen Nationalgalerie in Berlin –  sehr schonend mit der alten Substanz um und mache den Bau zur gleichen Zeit wesentlich transparenter.

Gerade mal zwei Fensterachsen breit ist der klassizistisch angehauchte Palais an der Fifth Avenue – und mit sechs Geschossen in Manhatten geradezu ein Zwerg. Wikipedia kennt seine Geschichte: Er wurde 1906/1907 als vornehmes Stadthaus für James W. Gerard, amerikanischer Botschafter in Berlin, errichtet. Die Pläne stammten von den Architekten Welch, Smith & Provot. Es steht unter Denkmalschutz – und befindet sich im Sandwich zwischen zwei weitaus höheren Bauten, welche die Ecken des Straßenblocks einnehmen. Das südliche wurde 1910 nach einem Entwurf von McKim, Mead, and White erbaut. Philip Johnson bezog sich 1978 bei dem Bau des nördlichen Nachbargebäudes auf diesen Entwurf. Das Goethe-Haus, ein amerikanisch-deutsches Kulturzentrum, das von einer privaten Vereinigung gegründet wurde, zog 1961 hier ein und lud das Publikum zu Kulturveranstaltungen, insbesondere Lesungen und Konzerte. 1969 wurde das Goethe- in das Netzwerk der Goethe-Institute integriert. 2014 fand der Umzug in ein Haus nahe des Union Square statt.

Das Projekt von David Chipperfield Architects ist nach seiner Hausnummer „Projekt 1014“ benannt und soll ein offener Begegnungsort sein. Herz des Entwurfs sei ein über zwei Etagen reichendes, neu geschaffenes Foyer zwischen den repräsentativen Bereichen der unteren Etagen und Lebens- und Arbeitsräumen, etwa für Stipendiaten, in oberen Stockwerken, weiß das Magazin Monopol. Alle genannten Quellen gehen davon aus, dass das Projekt bis 2025 abgeschlossen ist.

Das einstige Wohnhaus ist zwischen zwei weitaus höheren Nachbarbauten eingeklemmt. (Foto: Gryffindor/Wikimedia Commons)

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