Lichtkunstfestival „Lichtrouten“ in Lüdenscheid

Dankbare Kulisse

 Thomas Geuder
1. Oktober 2018
Das Lichtkunstfestival Lichtrouten in Lüdenscheid läuft noch bis 7. Oktober 2018. Im Bild: Projekt „jelliz“ von Andy Behrle im Sauerland-Center. (Bild: Jennifer Braun)
Ende letzter Woche ist in Lüdenscheid das Lichtkunstfestival „Lichtrouten“ eröffnet worden. Fünf Jahre hat die aktuelle Ausgabe auf sich warten lassen.
Hinter all jenen Lichtkunstfestivals in Europa wie dem Fête des lumières in Lyon, dem Festival of Lights in Berlin oder der Luminale in Frankfurt am Main müssen sich die Lichtrouten in Lüdenscheid ganz und gar nicht verstecken. Im Gegenteil: Seit 2002 präsentieren Lichtkünstler aus der ganzen Welt dort ihre neuesten Ideen, womit die Lichtrouten zu einem der ältesten Lichtkunstfestivals der Welt zählt. Grund genug also, jede Ausgabe zu feiern, zumal in Lüdenscheid ein großes Unterstützerpotenzial mit einigen mittelständischen sowie weltweit agierenden Unternehmen der Leuchten- und Elektrobranche vorhanden ist. Dennoch oder gerade deswegen nehmen die Lichtrouten eine besondere Stellung in der Reihe der Lichtkunstfestivals ein. 18 Kunstwerke sind in der kleinteiligen Innenstadt von Lüdenscheid verteilt, sorgfältig und mit Hingabe kuratiert und künstlerisch geleitet von Bettina Pelz, ihrerseits verantwortlich für Lichtkunstfestivals auf der ganzen Welt und Mitbegründerin des Lichtkünstleretzwerks „LIFA – Light in Fine Arts Research“, zusammen mit Tom Groll, weltweit tätiger und renommierter Lichtkünstler. Die 18 Künstler der Lichtrouten präsentieren ihre Werke mit großer Leidenschaft. Die Besucher erwartet eine hochwertige Lichtkunst in familiärer Atmosphäre, in der die Werke bequem zu Fuß erkundet werden können. Die Stadt Lüdenscheid ihrerseits bietet den Künstlern eine dankbare Kulisse aus Plätzen und Gebäuden, die in einer Art Dornröschenschlaf darauf warten, von der Kunst veinnahmt zu werden. Denn in der sauerländische Kleinstadt findet sich ein architektonischer Mix aus historistisch anheimelnden Häusern in der Altstadt und nicht selten eher brutalen oder auch brutalistischen Bauwerken aus den 1970er- und 1980er-Jahren in direkter Nachbarschaft. Der deutlich spürbaren Abwanderung geschuldet stehen vor allem die jüngeren Bauten allzu oft leer und sind zu stillen Zeugen einer einstigen Aufbruchstimmung und gleichzeitig der aktuellen Probleme geworden. Freud und Leid liegen oft nah beisammen, so sind eben diese Bauwerke eine ideale Spielwiese für die Lichtkünstler, die in diesem Jahr wieder aus der ganzen Welt eingeflogen sind und einige erstaunliche Kunstwerke geschaffen haben. Die Reise nach Lüdenscheid lohnt sich also – auch wegen dieser nicht selten schrulligen Kombination aus zeitgenössischer Lichtkunst und einer Architektur, die in anderen Städten oft nicht mehr vorhanden ist. Die Lichtrouten laufen noch bis einschließlich Sonntag, 7. Oktober 2018.
Ralph Kistler mit Licht-Schatten-Spielen im Sauerland-Center (Bild: Jennifer Braun)
Eva-Maria Joeressen und Klaus Kessner / joeressen+kessner mit einer sich nie wiederholenden Fassadenbespielung des Kulturhauses (Bild: Jennifer Braun)
Mariksa de Groot im ehemaligen Wellenbad im Forum am Sternplatz (Bild: Jennifer Braun)
„Chronotop“ von Ingo Wendt in der St. Joseph und Medardus Kirche (Bild: Jennifer Braun)

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