Circus Maximus

Ulf Meyer
17. Januar 2019
Die Erweiterung des Bundeskanzleramtes erreicht man über eine Brücke (Bild: Schultes & Frank)

Die Politbürokratie in Deutschland wächst und gedeiht, auch wenn die Gesellschaft, Parteien-Demokratie und Weltordnung um sie herum sich pulverisieren. Nun soll das Bundeskanzleramt in Berlin massiv erweitert werden.

Die Anzahl der Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes hat sich seit 2001 fast verdoppelt (von 410 auf 750 Personen) und passt schon lange nicht mehr in das – bei seiner Einweihung als überdimensioniert kritisierte – Bundeskanzleramt. Damit zukünftig alle Beschäftigten an einem Standort arbeiten können, wird im Westen nun eine große Erweiterung gebaut. Das wie ein halber Circus Maximus in Rom geformte Bogen-Gebäude ersetzt den Kanzlerpark jenseits des Spreebogens. Entworfen wird der Bau von dem Berliner Architekten-Duo Axel Schultes und Charlotte Frank, die auch das Kanzleramt entworfen hatten – und 1992 den städtebaulichen Plan für das „Band des Bundes“. Etwa 400 zusätzliche Büroräume sollen in dem Neubau aufgereiht werden, auf sechs Etagen.

Der halbkreisförmige Neubau schließt das Band des Bundes nach Westen ab (Bild: Schultes & Frank)

Nach außen zeigt sich das Haus in den beiden unteren Etagen fensterlos mit einer blanken Betonwand, weil es hier keinen Sicherheitszaun geben wird. Wilder Wein soll die Fassaden beranken. Ein weiterer, zweigeschossiger Bauteil nimmt Kantine und Veranstaltungsbereich auf, gegenüber liegen Kanzler-Wohnung, Kindergarten und Gärtnerei. Ein Hubschrauberlandeplatz kragt weit in den Garten aus. Das Robinienwäldchen wird gerodet, unter dem neuen Garten wird eine große Park-Palette gebaut. Zudem entsteht auf einem Grundstück im Norden ein „Post- und Logistikbereich“ mit Sicherheits-Schleuse. Eine neue Fußgängerbrücke über die Spree soll im Süden Bestand und Erweiterung miteinander verbinden, man kommt jedoch nicht trockenen Fußes von Haus zu Haus. Man müsse halt „Mantel und Schirm“ benutzen, hieß es lapidar bei der Entwurfspräsentation.

Über zwei Geschosse keine Fenster – ein Amt igelt sich ein (Bild: Schultes & Frank)

Bis in das Jahr 2023 hinein soll das Gebäude geplant und dann vier Jahre lang gebaut werden. Der Einzug der Mitarbeiter ist für das Jahr 2028 geplant, Schultes 85. Geburtstag! Die Baukosten wurden auf 460 Millionen Euro geschätzt, also etwa eine Million pro Mitarbeiter. Dabei fehlen dem Erweiterungsbau alle Details, die das Bundeskanzleramt zu einem Meisterwerk der zeitgenössischen Baukunst gemacht haben. Schultes nennt es ein Back-Office, „ohne Extravaganzen“. Die Ingeborg-Drewitz-Allee nördlich des Kanzlergartens wird zumindest für LKW gesperrt, die Straße nördlich des Kanzleramtes ist bereits abgerissen. Das größer werdende Amt igelt sich immer mehr ein. Ein städtisches Gebäude kann es so nie mehr werden.

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