China in Berlin

Carsten Sauerbrei
1. August 2017
Am Eingang des «Panda Garden» des Berliner Zoos empfängt ein exotisches Pagodendach die Besucher. (Bild: danpearlman / F. Roesner)

Anfang Juli eröffnete die neue Anlage «Panda Garden» des Zoologischen Gartens Berlin. Das Berliner Büro dan pearlman erlebnisarchitektur gestaltete sie mit chinesischem Lokalkolorit und zeitgenössischer Formensprache.

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehört der Entwurf von Anlagen und Gebäuden für zoologische Gärten zur deutschen Architekturgeschichte. Dabei entwickelte sich deren Formensprache parallel zur Stilentwicklung anderer Bautypologien, jedoch oft bereichert um eine exotische Komponente. Die Spanne reicht dabei von eklektizistischen Stilen über die Vormoderne, Moderne und Postmoderne bis in unsere heutige Zeit, wo immer noch Gebäude mit dem Flair des Exotischen entstehen und gleichzeitig Architekten die Traditionen der Moderne weiterführen.

Das Dach des Besucher-Pavillons erinnert mit seinen Verjüngungen entfernt an ein historisches Pagodendach. (Bild: danpearlman / F. Roesner)

Die in acht Monaten Bauzeit entstandene, neue Panda-Anlage von dan pearlman erlebenisarchitektur, Berlin versucht beide Architekturtraditionen, die des exotischen Historismus und die der Moderne zu vereinen. Den Eingang des insgesamt 5480 qm großen Areals markierten die Architekten mit einer Kopie eines chinesischen Pagodendaches auf einer china-roten, ebenfalls exotisch gestalten Tragkonstruktion. Über eine kleine Beton- Brücke mit abermals rotem Holzgeländer gelangen die Besucher nach Passieren des Eingangstores zum Hauptgebäude, dem Besucher-Pavillon. Ein großzügiger, teilweise überdachter Freiraum, die «Besucher- Plaza», vermittelt dort zwischen Außen- und Innengehege.

Zeitgenössisch erschient der Pavillon durch die Sichtbetonoberflächen, die bodentiefen Glaswände und die schlanken Stahlstützen. (Bild: danpearlman / F. Roesner)

Das Dach des Besucher-Pavillon, den die Architekten als «überzeugende Neuinterpretation des traditionellen, chinesischen Pavillonbaus» bezeichnen, erinnert mit seinem sich an den Rändern und zur Traufkante hin verjüngenden Dach tatsächlich an ein Pagodendach. Durch die schlanken Stahlstützen, die gebäudehohe Verglasung und die Sichtbetonoberflächen wirkt das Gebäude einerseits zeitgenössisch. Für chinesisches Lokalkolorit sorgen andererseits nicht nur die grüne, an Bambus erinnernde Stützen- Beschichtung, sondern auch rote Lampions und Ausstellungstafeln, die von den Architekten mit einem Alphabet in «Pinselstrich-Optik» sowie Illustrationen in Anlehnung an die klassische, chinesische Tuschemalerei gestaltet wurden.

Für chinesische Exotik sorgen Bambuspflanzungen, rote Lampions, die Kunstfelswände und Ausstellungstexte und Illustrationen in «Pinselstrich-Optik». (Bild: danpearlman / F. Roesner)

Viel wichtiger als der Besucherpavillon sind für das Panda-Pärchen Meng Meng und Jiao Qing ohnehin die beiden großzügigen, von Bambus, Gesteinsformationen und kleinen Wasserläufen geprägten Außengehege. Nicht nur die Bären, sondern auch die Zoobesucher sollen im «Panda Garden» ein Stück China erleben, betont Kieran Stanley, Geschäftsführer von dan pearlman erlebnisarchitektur. Das ist den Architekten gut gelungen, und das sogar ohne allzu viel, exotischen Kitsch.

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