Bruno Paul, der Vielseitige

Manuel Pestalozzi
10. Januar 2023
Das Haus Jenny und Sigmund Bergmann an der Waldparkstraße 6 in Dresden wurde 1928 realisiert. (Foto: Thomas Drebusch)

Bruno Paul (1874–1968) positionierte sich direkt an der Schwelle zur Moderne. Seine stilistisch vielfältigen Projekte haben als gemeinsamen Nenner eine selbstsicher zutage tretende, nachhaltige Eleganz. Paul studierte an der Akademie der Künste in Dresden und der Akademie der Schönen Künste in München. Die Architektur war jedoch nur ein Teilgebiet seines Wirkungsfeldes. Daneben war er anfangs des 20. Jahrhunderts auch Karikaturist für die Satirezeitschrift „Simplicissimus“, entwarf Alltagsgegenstände, Möbel, Innenräume und die Einrichtung einiger Luxusdampfer der Belle Epoque, wofür er mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde.

Ab 1924 war Bruno Paul der erste Direktor der Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin, in welche die Unterrichtsanstalt am Kunstgewerbemuseum und die Hochschule für Bildende Künste mit einem erweiterten Bildungskonzept zusammengeführt wurden. Seine Architektur war in stilistischer Hinsicht eklektizistisch, Bruno Pauls elegante Villen lassen sich teilweise der Art Déco zuordnen. Manche Wohnhäuser aus der Zwischenkriegszeit waren als Gesamtkunstwerke angelegt, sie bildeten mit Inneneinrichtung und Gartengestaltung eine Einheit. In Essen, Gelsenkirchen sowie Köln entstanden nach Pauls Plänen Kaufhäuser, 1928 wurde das Kathreiner-Hochhaus als erstes Verwaltungshochhaus in Berlin gebaut. In den 1930er-Jahren bildeten Verwaltungsgebäude, Wohnsiedlungen und Fabrikationsgebäude sowie Möbelentwürfe für die Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau den Schwerpunkt seiner gestalterischen Arbeit.

Das Haus Carl Bergmann in Dresden – heute Haus der Architekten – wurde 1928/29 nach Plänen von Bruno Paul errichtet. (Foto: www.albrechtvoss.com)

Nach 1945 begann die letzte Schaffensperiode von Buno Paul. Er verlegte seine Tätigkeit auf den Bereich des Ingenieurbaus und entwarf etwa Brücken, so beispielsweise die Weserbrücke in Holzminden. 1955 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Akademie der Künste Berlin. Einen Gesamtblick auf diese vielseitige Karriere bietet die Ausstellung „Schönheit ist Freude“ in der Villa in der Goetheallee 37, die der Zigarettenfabrikant Carl Bergman nach Plänen von Bruno Paul 1928/29 als privates Wohnhaus erstellen ließ die und heute Sitz der Architektenkammer Sachsen ist. Kuratiert wird sie vom Designer und Kunsthistoriker Thomas Drebusch. Er betreute auch die Publikation mit dem selben Titel, die schon 2019 erschienen ist.

bruno paul | schönheit ist freude

bruno paul | schönheit ist freude
Thomas Drebusch

27 × 20 cm
176 Seiten
ISBN 9783982016955
ikonom Verlag
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